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Betrugsmasche auf Amazons Marktplatz läuft weiter

Ein heise-online-Leser hat eine Betrugsmasche auf Amazon.de analysiert: Pro Tag kapern Kriminelle demnach ein Dutzend Verkäufer-Konten und laden fiktive Waren im Wert von 500 Millionen Euro hoch. Amazon bekommt das Problem seit Jahren nicht in den Griff.

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Betrügerische Angebote für eine Kaffeemaschine

Die Betrugsmasche auf Amazons Marktplatz, über die wir zuletzt Mitte November berichteten, läuft auch 2017 weiter. Die Recherche eines heise-online-Lesers zeigt: Obwohl Amazon das Problem seit Jahren kennt, können Betrüger immer noch spielend leicht Konten von Marktplatz-Verkäufern kapern und mit Fake-Angeboten fluten.

Der Leser meldete nach eigenen Angaben dem Amazon-Kundenservice innerhalb der vergangenen drei Wochen nicht weniger als 200 gekaperte Verkäuferkonten. Eine Liste der Händler liegt heise online vor. Wir kontaktierten einige davon – alle bestätigten, dass ihre Shops tatsächlich übernommen worden waren.

Normalerweise gelangen die Betrüger mit gut gemachten Phishing-Mails an die Zugangsdaten etablierter Händler. Anschließend laden sie in deren Namen Tausende Lock-Angebote hoch, die unbedarfte Käufer zu Zahlungen abseits der Amazon-Plattform verleiten sollen.

"Manchmal laden die Betrüger 60.000 Artikel hoch, manchmal 120.000, manchmal über 200.000", berichtet der Leser. Der Durchschnittspreis der Lock-Angebote liege bei rund 500 Euro, der durchschnittliche Gesamtwert der Angebote pro gekapertem Shop bei 40 Millionen Euro. Er finde es "unfassbar", dass Amazon bei solchen Artikelmengen nicht von sich aus genauer hinsieht, kommentiert der Leser.

Amazon nahm die 200 gemeldeten Shops allesamt von der Plattform, die meisten binnen weniger Stunden. Danach wurden aber stets neue Shops von den Betrügern übernommen. "Das Maximum waren bisher 17 von mir gemeldete Shops an einem Tag sowie 6 gehackte Shops, die gleichzeitig aktiv waren", berichtet der Leser.

Mittlerweile hat er sogar eine Anwendung entwickelt, die hunderttausende Amazon-Produkte periodisch überwacht und Fake-Angebote innerhalb weniger Minuten, nachdem sie online gestellt wurden, identifiziert. Im Schnitt seien 12 Fake-Shops pro Tag aktiv. Amazon habe "die Kontrolle verloren", urteilt der Leser.

Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgen die Betrüger seit längerem. Bei einer großangelegten Durchsuchungsaktion Mitte November in Rumänien ging es auch um den Betrug auf Amazons Marktplatz. Damals wurden 74 Verdächtige festgenommen. Gestoppt wurde die Masche dadurch allerdings nicht.

Amazon könnte das Problem vermutlich durch technische Vorkehrungen eindämmen, zum Beispiel durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, falls sich jemand von einem neuen Standort aus in ein Verkäufer-Konto einloggt. Auch mit einer Software, wie unser Leser sie in wenigen Tagen allein entwickelte, könnte Amazon vermutlich Kunden besser vor Betrugsangeboten schützen als bisher.

Wir baten Amazon um Auskunft zu konkreten Schritten gegen die Betrüger. Amazon antwortete wie folgt:

Amazon duldet derartige Aktivitäten in keiner Weise und schützt jeden Kunden beim Kauf auf Amazon.de mit der A-Z-Garantie, solange die Zahlung über die Amazon-Website erfolgt – die einzige akzeptierte Form der Bezahlung. Wir raten Kunden für Bestellungen bei Marketplace-Verkäufern niemals Bezahlungen außerhalb der Amazon-Website zu veranlassen.

Wir informieren zudem Verkäufer, wie sie ihren Amazon-Account vor unberechtigten Zugriffen außerhalb von Amazon schützen können. Sollten Unberechtigte durch Vorgänge außerhalb der Amazon-Umgebung Zugriff auf ein Verkäufer Amazon-Konto erhalten haben, ergreifen wir umgehend entsprechende Maßnahmen, um Verkäufer und Kunde zu schützen. Wir entwickeln unsere Prozesse kontinuierlich weiter, um jederzeit für eine sichere und geschützte Einkaufsumgebung zu sorgen und kooperieren mit den Behörden, um sie bei ihren Maßnahmen gegen Betrüger zu unterstützen. (cwo)

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