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Betrugsverdacht: Chef der angeblichen Kryptowährung Onecoin verhaftet

Seinen Machern nach ist der Onecoin eine revolutionäre Kryptowährung mit tollen Gewinnaussichten. Laut US-Ermittlern ist das alles nur Betrug.

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Chef der vermeintlichen Kryptowährung Onecoin verhaftet

Konstantin Ignatov, derzeitiger Chef des Firmengeflechts hinter der angeblichen Kryptowährung Onecoin, ist vergangenen Mittwoch in Los Angeles wegen Betrugsvorwürfen verhaftet worden. Onecoin sei im Grunde nur ein millionenschweres Pyramidenspiel, das vermeintliche Kryptogeld existiere nur in den Köpfen seiner Macher, hieß es von US-Behörden.

Onecoin wird weltweit in einer Art Strukturvertrieb als Geldanlage vermarktet, verpackt in eine Geschichte über eine "revolutionäre" Kryptowährung – sensationelle Gewinnversprechen inklusive. Der Vertrieb läuft über die Website des Betreibers sowie über spezielle Verkaufsveranstaltungen. Investoren werden gegen Provision angehalten, neue Investoren für in die Paketform verkauften Onecoins zu gewinnen.

Der 33-jährige Konstantin Ignatov übernahm Mitte 2018 die Führung des Onecoin. Zuvor war seine als Krypto-Visionärin und Erfinderin des Onecoin stilisierte, 38-jährige Schwester Ruja Ignatova am Ruder. Auch gegen sie haben die US-Ermittler Anklage erhoben, Ignatova soll aber laut Mitteilung der Staatswaltschaft seit Oktober 2017 untergetaucht sein.

Angaben von Onecoin nach sollen rund 3 Millionen Menschen an diesem Strukturvertrieb teilgenommen haben. Laut Unterlagen, aus denen die US-Ermittler zitieren, muss das Geschäft gut gelaufen sein: Zwischen dem vierten Quartal 2014 und dem dritten Quartal 2016 sollen rund 3,35 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielt worden sein, bei einem Gewinn von 2,23 Milliarden US-Dollar.

Die Macher bezeichnen ihren Onecoin zwar als eine Kryptowährung im Stil des Bitcoin. Technische Details zu der Währung und ihrer Blockchain, quelloffene Clientsoftware, Blockexplorer, unabhängige Handelsplätze und all das, was sonst noch Kryptowährungen ausmacht, suchte man hier aber vergebens.

Und der Staatsanwaltschaft nach gab es auch nicht viel an echtem Kryptogeld zu finden: Das angebliche Mining über eigene Schürf-Server habe nie stattgefunden, eine öffentlich zugängliche, nachprüfbare Blockchain sei auch nie genutzt worden. Es seien sogar Fake-Coins ausgegeben worden, die gar nicht mehr in der privat gehaltenen Datenbank des Onecoin verzeichnet gewesen seien. Der Preis des Onecoin sei nie über Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage ermittelt worden, sondern willkürlich festgelegt worden, zuletzt auf 29,95 Euro im Januar 2019. Pläne, die Währung für öffentlichen Handel zugänglich zu machen, wurden immer wieder verschoben.

Stattdessen hätten die Macher den Onecoin von vornherein mit Betrugsabsichten konzipiert. So habe etwa Ignatova in einer Mail an Mitgründer über mögliche Exit-Strategien geschrieben: "Nimm das Geld, lauf weg und beschuldige jemand anderes...“. Teile des Gewinns aus dem Onecoin-Verkauf sollen zudem durch ein selbstaufgebautes Geldwäschesystem geschleust worden sein. Insgesamt 400 Millionen US-Dollar seien so durch angebliche Investmentfonds mit Konten auf den Cayman-Inseln und Irland gelaufen. Ein 50-jähriger US-Anwalt, der mutmaßlich bei der Geldwäsche behilflich war, wurde bereits im September 2018 verhaftet.

Die deutsche Bankenaufsicht Bafin hatte Vertrieb und Verkauf des Onecoin bereits im Mai 2017 untersagt. Das Geschäft in Deutschland lief offenbar schwunghaft, zwischen Dezember 2015 und Dezember 2016 soll die für den Onecoin-Firmenverbund tätige International Marketing Services GmbH Gelder in Höhe von 360 Millionen Euro angenommen haben. Im April 2017 sperrte die Bafin die Konten des Unternehmens. Abgesehen von Deutschland und den USA haben Strafverfolger und Finanzaufsichten aus zahlreichen anderen Ländern bereits gegen Onecoin ermittelt oder vor einem Investment gewarnt. Was die Verhaftung für alle bedeutet, die ihr Geld in Onecoin gesteckt haben, ist noch offen. (axk)