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Beunruhigende Gesundheitssituation in der IT-Industrie

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In den zurückliegenden Jahren habe sich die Belastung der Beschäftigten in der IT-Wirtschaft deutlich verschärft. Zunehmende Leistungsverdichtung, die Paradoxien neuer Managementkonzepte, eine Veränderung der betrieblichen Sozialordnungen und eine generelle Zunahme von Unsicherheiten haben eine grundlegend neue Belastungskonstellation geschaffen.

Auf einem Workshop des Forschungs- und Gestaltungsprojektes DIWA-IT - Gesund arbeiten, gesund bleiben in der IT-Wirtschaft haben am 6. Oktober Wissenschaftler des Münchner Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) diese Einschätzung der aktuellen Belastungskonstellation in der IT-Industrie präsentiert. An der Tagung nahmen auch Forscher aus dem IAQ (Universität Duisburg-Essen), Mitarbeiter des Beratungsunternehmens Moderne Arbeitszeiten sowie Vertreter von IT-Unternehmen, unter anderem von SAP, der Deutschen Telekom, Beiersdorf Shared Services und der evu.it teil.

Danach hat fast die Hälfte der befragten IT- Beschäftigten von einer starken oder sehr starken Belastung durch extremen Zeitdruck und hohes Arbeitsaufkommen berichtet. Noch gravierender sei die Lage in besonders sensiblen Bereichen: Dass sie sich "immer wieder an der Grenze ihrer Belastbarkeit erleben" oder das Überschreiten dieser Grenze "in Form eines gesundheitlichen Zusammenbruchs" sogar schon am eigenen Leib erfahren hätten, gaben über 50% der Befragten an. Von anderen hochqualifiziert Beschäftigten beklagt nur jeder dritte eine starke oder sehr starke Belastung durch Zeitdruck und Arbeitsaufkommen, von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten äußert sich nur jeder fünfte entsprechend.

Nach den Analysen der Wissenschaftler, die sich auf langjährige Forschungserfahrung in der IT-Industrie stützen, handelt es sich hier nicht nur um eine kurzfristige Belastungsspitze, die man aussitzen könne. Damit die Leistungsträger der IT-Wirtschaft nicht ausbrennen, müsse Gesundheitsförderung vom Randthema zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenspolitik und der Organisationsentwicklung werden.

Das Projekt DIWA-IT wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Betreut wird es vom Projektträger im DLR, Förderschwerpunkt "Präventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz". (fm)

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