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Technology Review

Beyond Burger: Gemüse ist sein Fleisch

Erbsen und eine siebenjährige Entwicklungszeit sind das Geheimnis des US-Start-ups Beyond Meat. CEO Ethan Brown verspricht damit den Eindruck von echtem Rindfleisch.

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Gemüse ist sein Fleisch

Ethan Brown von Beyond Meat beißt in einen selbst gemachten Hamburger. Er stammt
aus dem Extruder links, Spitzname: "Der Ochse".

(Bild: Jeff Minton)

Es sieht fast genauso aus, riecht und schmeckt wie gehacktes Rindfleisch – und zwar roh wie gekocht. Doch für das "Fleisch" des Burgers von Beyond Meat musste kein Tier sein Leben lassen. Es besteht aus Erbsenprotein und ist das Ergebnis von sieben Jahren Entwicklungsarbeit des Teams um CEO Ethan Brown, das berichtet Technology Review in seiner neuen Ausgabe (ab heute im Handel und im heise shop zu bestellen). Der "Beyond Burger" übertrifft damit das bereits gegarte Vorgängerprodukt namens "The Beast". Es hinterließ ein trockenes Mundgefühl, wie man es von Sojahack kennt.

In das Start-up aus Los Angeles haben unter anderem Bill Gates, die Wagniskapitalisten von Kleiner Perkins sowie die beiden Twitter-Gründer Evan Williams und Biz Stone 17 Millionen Dollar investiert. Sie haben an der Schnittmenge von Lebensmitteltechnologie, Gesundheitswelle und nachhaltigem Konsum einen der nächsten großen Trends ausgemacht. "Das ist kein Hippie-Produkt", sagt Geldgeber Stone, der die vegetarische Bulette bei einer Testverköstigung im San Francisco Ende Juli zum ersten Mal probierte. "Ethan denkt in technischen Dimensionen über die Zukunft der Ernährung nach."

Das pflanzliche Fleisch soll Verbraucher dazu verleiten, ihre Ernährungsgewohnheiten weitgehend ohne Verzicht beizubehalten. "Fleisch gehört zur Menschheitsgeschichte dazu, keine Frage", sagt Gründer und CEO Brown. "Die Leute wollen hören, wie das Fleisch auf dem Grill brutzelt." Aber derzeit vergehe sich die Erde an 73 Milliarden Nutztieren, die allein durchs Atmen ein Siebtel aller Treibhausgase erzeugten.

Beyond Meat arbeitet seit 2009 an einer Alternative ohne synthetische oder gentechnisch veränderte Zutaten. Im Labor lassen sich die drei wesentlichen Bestandteile von Fleisch – Protein, Wasser, Fett – relativ einfach in der richtigen Mischung kombinieren und dann mit einem Extruder wie Nudeln herstellen. Die Kunst dabei ist es, die Stränge aus pflanzlichem Protein so zu orientieren, dass sie sich beim Kochen, Schneiden und Kauen wie tierische Muskelfasern anfühlen.

Der "Beyond Burger" ist bislang nur in zwei US-Testmärkten erhältlich, bevor er im Herbst landesweit eingeführt wird. Zwei Viertelpfünder kosten 5,99 Dollar und sind so preislich mit Bio-Rindfleisch vergleichbar. Wichtig war für Browns Team dabei, in Supermärkten wie der Nobelkette Whole Foods in der Frischfleischtheke platziert zu werden statt im Vegetarierregal neben Sojawürstchen. Dort und in anderen Supermärkten ist die Firma bereits mit vorgekochtem "Hack" und falschen Hühnerbruststreifen vertreten – insgesamt in 11000 Läden weltweit, einschließlich Deutschland. Genaue Umsatzzahlen gibt die Firma nicht bekannt. Laut Brown verhandelt das Start-up mit namhaften Fast-Food-Ketten und Supermärkten, damit die täuschend echten Burger auch bald auf europäischen Grills brutzeln. (Steffan Heuer) / (jle)

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