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Technology Review

Beyond Verbal will aus Sprache Emotionen auslesen

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Das israelische Start-up Beyond Verbal hat ein Verfahren entwickelt, mit dem ein Computer ermitteln können soll, ob der Mensch vor der Tastatur gestresst ist. Dazu wird ein Spracherkennungssystem eingesetzt, das nach Mustern im Klang der Stimme sucht. 10 bis 15 Sekunden sollen reichen, um den emotionalen Zustand des Nutzers zu erkennen. Das Verfahren soll in Fahrassistenzsystemen fürs Auto ebenso Verwendung finden wie in Software für Callcenter, die dann den Agenten auf besonders entnervte Kunden vorbereiten könnte.

An seiner Technik forscht das Start-up schon seit längerem. Technisch gilt die Stimmungserkennung als enorme Herausforderung. Laut Firmenchef Yuval Mor kann die Software bestimmte Merkmale menschlicher Intonationen erfassen, die bislang von Computern nicht aufspürbar waren. Diese Signale können Informationen über Stimmung, persönliche Einstellung zum Gesprächspartner oder sogar zur Persönlichkeit verraten. Das menschliche Gehirn hat mit solchen Merkmalen keine Probleme – selbst Babys, die noch nicht sprechen können, erkennen sie.

Beyond Verbal ist nicht die einzige Firma, die an neuartiger Erkennungstechnik für die menschliche Gefühlslage forscht. In diesem Wissenschaftsbereich, den man auch "Affective Computing" nennt, arbeitet etwa das Start-up Affectiva daran, Gesichtsausdrücke zu analysieren, um daraus zu schließen, ob Testpersonen eine Werbeanzeige wirklich gefällt. Simple Emotion arbeitet wiederum ähnlich wie Beyond Verbal an Spracherkennungsverfahren. Diese sollen autistischen Menschen helfen, besser zu verstehen, wie sich Gesprächspartner fühlen.

James Lester, Professor an der North Carolina State University, der im Bereich Affective Computing forscht, meint, es sei nicht weit hergeholt, dass es der Beyond-Verbal-Software gelingt, Emotionen zu definieren. Schwer werde es jedoch, sie mit Begriffen zu bewerten, die mehr als nur "positiv" oder "negativ" lauten. "Wenn man beispielsweise ein System mit acht bis zwölf oder noch mehr emotionalen Kategorien aufstellt, ist das deutlich komplexer. Der Schwierigkeitsgrad, diese korrekt zu klassifizieren, steigt nicht linear an, sondern steil."

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