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Bezahlen im Internet: Wenige Anbieter setzen sich durch

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Früher war im Internet alles umsonst. Heute kosten viele Informations- und Unterhaltungsangebote Geld: Für Songs von der Seite Popfile.de müssen Musikfans 99 Cents berappen. Die Recherche im Archiv des Spiegel kostet pro Artikel 40 Cent. Der Klick auf den vollständigen Einbaukühlschrank-Vergleich der Stiftung Warentest ist für einen Euro zu haben. Die Bezahlung der Kleinbeträge ist dabei heute kein großes Problem mehr: Das so genannte Micropayment ist einfach geworden, anscheinend kristallisieren sich aus der anfänglichen Vielfalt an Bezahlsystemen langsam die Gewinner heraus. Wenige Anbieter dominieren inzwischen den Markt, dadurch müssen Surfer sich nicht mehr auf jeder Website für einen neuen Abrechnungsdienst registrieren.

"Wenn Surfer online bezahlen sollen, wollen sie vor allem eines: sichere und simple Abrechnungsverfahren", sagt Karsten Stroborn von der Uni Karlsruhe. Dort wird seit mehreren Jahren über Micropayment geforscht. "Bereits vier Fünftel der Internetnutzer sind bereit, für Texte, Bilder oder Musik zu zahlen, wenn diese nicht kostenlos zu beschaffen sind."

Auf den klassischen Zahlungsarten Rechnung, Lastschrift oder Kreditkarte aufzubauen, halten Experten für den Erfolg versprechendsten Ansatz. "Radikal neue Lösungen haben es schwer", sagt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Internetwirtschaft (eco). Euphorisch gestartete Projekte für virtuelles Geld wie eCash oder CyberCoins seien bereits verschwunden. Heute dominierten zwei Verfahren: Die monatliche Sammelabrechnung und die Bezahlung über eine Art Telefonkarten-System.

"Click & Buy" nennt sich eine der führenden Methoden. Die Micropayment-Firma Firstgate zählt dabei die Rechnungsbeträge aller Firmen zusammen, bei denen ein Kunde eingekauft hat. Einmal im Monat bucht Firstgate das Geld von Girokonto oder Kreditkarte des Kunden ab und teilt es unter den Lieferanten auf. "Auf über 2.000 Internetseiten kann man mit Click & Buy bezahlen", sagt Unternehmens-Sprecherin Silvia Beßlich. Zuletzt gaben die rund 850.000 registrierten Kunden über eine halbe Million Euro monatlich mit dieser Bezahlweise aus -- etwa in dem sie in der Wirtschaftsdatenbank Genios recherchierten, Bilder von "Playboy" anschauten oder bei Jaxx.de Lotto spielten. Auch das kostenpflichtige Archiv von c't und iX wird über Firstgate abgerechnet.

Die Deutsche Telekom entwickelt mit "T-Pay" derzeit ein ähnliches Bezahlsystem. Künftig soll es für Online-Shopper sogar möglich sein, die Ausgaben per Telefonrechnung begleichen zu können. "Solche bequemen Bezahlungsmodalitäten haben viel Potenzial", sagt Branchenfachmann Summa. Auf den Erfolg wird die Telekom noch warten müssen: Firstgate witterte unlauteren Wettbewerb und erwirkte vor dem Frankfurter Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen das Pilotprojekt.

Anonym können Surfer über ein anderes Verfahren bezahlen, das ähnlich wie eine Telefonkarte funktioniert. Auf vorausbezahlten Karten im Wert zwischen 20 und 100 Euro rubbeln Kunden eine PIN- Nummer frei, die im Internet zum Kleingeld-Ersatz wird. Inzwischen können Kunden bei über 1.000 Unternehmen mit der Paysafecard einkaufen. "Wir haben Karten im Wert von 15 Millionen Euro im Markt", sagt Firmensprecher Moritz Becker. "MicroMoney" heißt ein vergleichbares Angebot der Deutschen Telekom.

In den vergangenen Jahren hat eine Vielzahl weiterer Anbieter von sich Reden gemacht. Nach Ansicht von Experten ist ihre Zukunft jedoch zweifelhaft. "Eine Cashmouse für die Bezahlung mit den Geldkarten der Banken will derzeit kein Mensch haben", sagt der Karlsruher Wissenschaftler Stroborn. Er spricht von einem 50 Euro teueren Lesegerät, mit dem Beträge von den aufladbaren Chipkarten abgebucht werden können. Zahlungen per Handy lohnten sich auf Grund der Verbindungskosten erst für Beträge ab 5 Euro. Unternehmen wie Paybox bieten einen Service an, bei dem ein Kunde auf seinem Handy angerufen wird und die Zahlung mit einer Geheimnummer bestätigt, der Betrag wird abgebucht.

"Beim Micropayment ist Deutschland führend", sagt Stroborn. Medienhäuser hoffen nun, künftig mehr als die Krümel abzubekommen vom acht Milliarden Euro schweren deutschen E-Commerce-Kuchen, den bislang Versandhandelsriesen wie Amazon, Otto oder Karstadt-Quelle unter sich aufteilen. Der Geschäftsführer vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger Wolfgang Fürstner ist zuversichtlich: "In den kommenden 12 Monaten wird aller wichtiger Content im Internet nicht mehr verschenkt, sondern nur verkauft." (Arno Schütze, dpa) / (jk)

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