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Bezahlsysteme von Handyspielen bereiten Suchtberatern Sorgen

Spielen ist gratis, Erfolg kostet Geld - solche Bezahlsysteme setzen sich bei Handyspielen immer mehr durch. Suchtberatern bereitet das Sorgen. Eltern von spielenden Jugendlichen sollten aber mit Fingerspitzengefühl an die Sache herangehen.

Smartphone

(Bild: dpa, Martin Gerten/Archiv)

Eltern sollten bei hohen Rechnungen durch Handyspiele ihrer Kinder zunächst weitere Abbuchungen verhindern statt das Handy wegzunehmen. "Das nimmt die Eskalation heraus", sagte Christian Tuhacek von der Fachberatungsstelle für exzessiven Medienkonsum "Real Life" in Kassel. Die Einrichtung des Diakonischen Werks hilft Betroffenen und Angehörigen bei exzessiver Mediennutzung. Mit dem Einzug des Handys schneide man einen jungen Menschen oft vom sozialen Leben ab. Probleme durch die Bezahlsysteme von Handyspielen gehören laut Tuhacek mittlerweile zum Tagesgeschäft der Suchtberatung.

So genannte In-App-Käufe haben sich zur wichtigsten Einnahmequelle bei Handyprogrammen entwickelt. Laut dem Branchenverband Bitkom wurden auf dem Deutschen-App-Markt im vergangenen Jahr so 1,2 Milliarden von insgesamt 1,5 Milliarden Euro umgesetzt. Problematisch wird es laut Tuhacek bei auf den ersten Blick kostenlosen Handyspielen, die das Bezahlsystem auf die Spitze treiben. "Der Spieler wird zunächst angefixt und mit Belohnungen zugeschüttet", sagte Tuhacek. Dann gehe es langsamer voran und dem Nutzer würden Vorteile gegen Geld angeboten. Bei einigen Spielen gehe es darum, in kurzer Zeit viel Geld herauszupressen. Allerdings entwickele nur ein Bruchteil der Nutzer eine echte Abhängigkeit.

Das Bezahlsystem hat laut dem Branchenverband Bitkom auch Vorteile: "In-App-Käufe bieten grundsätzlich dem Nutzer die Möglichkeit, eine App zunächst kostenlos zu installieren und auszuprobieren, und erst bei Gefallen oder tiefergehender Nutzung eine Zahlung zu leisten", sagt Sprecherin Teresa Tropf. Davon profitieren auch die Entwickler, da ihre zunächst kostenlos bereitgestellte App so eine größere Verbreitung finde. Speziell bei Spielen sei es "aus Jugendschutzgründen wichtig, dass diese fair gestaltet sind, so dass Kinder und Jugendliche nicht zu Käufen gedrängt werden".

Tuhacek rät Abhängigen, wie bei einer Glücksspielsucht die Verantwortung für Geld zeitweise abzugeben. Eltern könnten ernsthaften Problemen vorbeugen: Der Umgang mit Geld als Teil der Erziehung müsse auch auf die virtuelle Welt ausgeweitet werden. (dpa) / (bme)

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