Menü

'Big Brother' Facebook: Gefährder werden per App verfolgt

Nach der Aussage ehemaliger Angestellter setzt Facebook die eigenen Apps zum Beobachten möglicher Gefährder von Angestellten und Gebäuden ein.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 48 Beiträge

(Bild: dpa, Fabian Sommer)

Von

Drohungen nimmt Facebook ernst, so ernst, dass die Firma ihre Social-Media-Netzwerke danach durchsucht, potentielle Gefährder ausspioniert und sogar lokalisiert – über die Apps der Nutzer auf Smartphone und PC. Die Eingriffe sollen Angestellte und Geschäftsgebäude des Unternehmens schützen, berichten ehemalige Mitarbeiter des Facebook-Sicherheitsteams gegenüber dem Nachrichtensender CNBC. Demnach verfügt das Unternehmen über Listen von Personen, die in der Vergangenheit Drohungen gegen Facebook äußerten. Aber auch frühere Angestellte sind darunter.

Ein ehemaliger Sicherheits-Mitarbeiter berichtet über einen Fall, in dem ein Nutzer Anfang 2018 Drohungen gegen eine Facebook-Zentrale in Europa kundtat. Er äußerte etwas wie 'Morgen werden sie alle bezahlen'. Die Firma informierte die Behörden und beauftragte das eigene Sicherheitspersonal damit, den Nutzer zu beobachten. Dies sei bei Facebook ein standardmäßiges Vorgehen, sagten rund ein Dutzend frühere Facebook-Angestellte gegenüber CNBC aus.

Viele Ehemalige hinterfragen die Sicherheitsstrategie des Unternehmens. Andere verteidigen die Sicherheitsmaßnahmen mit der Reichweite, über die Facebook verfügt. Demnach nutzen das soziale Netzwerk weltweit über 2,7 Milliarden Menschen – äußern nur 0,01 Prozent davon eine Drohung, dann sind das 270.000 potentielle Sicherheitsrisiken.

Eine Sprecher von Facebook erklärte, dass das physische Security-Team des Unternehmens existiere, um Angestellte von Facebook zu schützen. Dabei setzen sie auf standardisierte Sicherheitsmaßnahmen um Gewaltdrohungen herauszufiltern. Diese würden dann an die zuständigen Sicherheitsbehörden weitergeleitet. Dabei halte sich das Unternehmen streng an die Datenschutzgesetze und schütze die Privatsphäre seiner Nutzer. "Jede Andeutung, dass unser hauseigenes Security-Team das überschritten hat, ist vollkommen falsch", erklärte der Facebook-Mitarbeiter.

Im Rahmen des Arbeitsschutzes ist Facebook verpflichtet, seinen Angestellten einen Arbeitsplatz frei von Gefahren anzubieten, die diesen körperlich schaden können, sagt Tim Bradley, Berater der Incident Management Group, einer Firma, die in Sicherheitsfragen berät. Wenn das Unternehmen von Bedrohungen wisse, müsse es aktiv werden. Dabei sei es zweitrangig, wie es diese Informationen erhalte. (cbr)