"Big Brother"-Preise für Schweizer Datenschnüffler

Wie in Deutschland und Österreich wurden in der Schweiz Behörden und Privatpersonen ausgezeichnet, die wegen Datenschutzverletzungen in die Schlagzeilen geraten sind.

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Wie in den vergangenen Tagen bereits in Deutschland und Österreich sind nun auch in der Schweiz die Big Brother Awards 2002 verliehen worden. Ausgezeichnet wurden Behörden und Privatpersonen, die im laufenden Jahr wegen Datenschutzverletzungen in die Schlagzeilen geraten sind.

Preisträger in der Kategorie Staat ist die Kantonspolizei Zürich, die für den laxen Umgang mit der von T-Systems Schweiz entwickelten Fahndungsdatenbank "Joufara II" ausgezeichnet wurde. In der Kategorie Business ging der Pokal an das St. Galler Unternehmen Q-Sys. Deren Software RAI erlaubt die Erfassung und Auswertung von teils intimen Patientendaten.

Als größter helvetischer Telekom-Schnüffler des Jahres 2002 gilt seit gestern Adrien de Werra, Chef des "Diensts für besondere Aufgaben" DBA. Der DBA fungiert bei der legalen Telekommunikationsüberwachung als Schnittstelle zwischen Untersuchungsbehörden und den Diensteanbietern. De Werra hat sich verschiedentlich dafür stark gemacht, die Überwachungsbefugnisse auszuweiten und die erst Anfang des Jahres in Kraft getretene Gesetzgebung bereits zu revidieren. Der Lebenswerk-Award ging an den so genannten "Club de Berne" , eine Plattform, die seit über dreißig Jahren von den Geheimdiensten Europas zum Informationsaustausch genutzt wird.

Neben den vier Negativ-Preisen gibt es in der Schweiz auch eine Würdigung für "lobenswerten Widerstand gegen Überwachung und Kontrolle". Diese ging an den Entwickler der "4Q Card" , eine Payback-Karte, die ähnlich der Privacy Card von FoeBuD Einkaufsgutschriften nicht dem Karteninhaber, sondern einem kollektiven Konto anrechnet. (Nick Lüthi) / (jk)