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Big Brother in der Abstellkammer

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Ende Oktober ist es wieder so weit. Zum zweiten Mal werden in der Schweiz die so genannten Big Brother Awards verliehen. Ausgezeichnet werden besonders emsige Datensammler sowie Personen oder Institutionen, die sich gegen solcherlei Sammelwut wehren. Was tat sich in der Zwischenzeit bei den letztjährigen Preisträgern? Haben die Preise etwas bewirkt? Telepolis hat nachgefragt und ist dabei auf die ganze Palette von gelassenen, abweisenden und verärgerten Reaktionen gestoßen.

Der für sein Lebenswerk ausgezeichnete Urs von Daeniken, Chef des Dienstes für Analyse und Prävention beim Bundesamt für Polizei wollte partout nicht Stellung nehmen zu der Ehre, die ihm vor Jahresfrist zuteil wurde. Der Gewinner in der Kategorie "Staat", das Verteidigungsministerium, konnte sich gar nicht an die erhaltene "Auszeichnung" erinnern, bevor man sich zu einem "ja, man hat das zur Kenntnis genommen", durchrang. Ähnlich das Ergebnis beim Basler Chemieriesen Hoffmann-La Roche, der den Preis in der Kategorie "Business" erhielt und ebenfalls Erinnerungslücken aufwies, mit der kritisierten Praxis der präventiven Drogentests aber fortfährt.

Bei der ehemaligen Monopolistin Swisscom war die Verärgerung am größten. Mediensprecher Sepp Huber hat es offenbar noch immer nicht verdaut, dass sein Unternehmen den Big Brother Award in der Kategorie "Telecom" wegen der systematischen Standortüberwachung seiner Handy-Kunden erhalten hat. Inzwischen wird die Möglichkeit des Standorttrackings sogar kommerziell genutzt: Mittels SMS oder WAP können sich Mobiltelefonierer den aktuellen Standort von ihren handybenutzenden Freunden anzeigen lassen.

Nach Angaben der Organisatoren der Big Brother Awards sind für die diesjährige Veranstaltung bereits über fünfzig Nominierungen eingegangen, darunter auch Preisträger des letztjährigen Bewerbs. Noch bis zum 30. September können weitere Kandidaten vorgeschlagen werden. Feststehen werden die Superschnüffler und -sammler am 26. Oktober, wenn zeitgleich in der Schweiz, Deutschland und Österreich die Awards übergeben werden.

Mehr in Telepolis: Wie lebt sichs eigentlich als Big Brother? (Nick Lüthi) / (ame)