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"Big Data" und "Datenschutz" durchweben die CeBIT-Eröffnung

In Hannover wurde die CeBIT 2014 feierlich eröffnet. Dabei gingen die Redner von Bundeskanzlerin Angela Merkel bis hin zu VW-Chef Martin Winterkorn auch auf den Datenschutz ein, nur der britische Premier David Cameron nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Hannover die diesjährige Computermesse CeBIT eröffnet. Dabei verwies sie auf den rasanten Fortschritt der Informationstechnik und – in Anwesenheit des britischen Premierministers David Cameron – auf das schwierige Verhältnis zwischen Großbritannien und Deutschland in den vergangenen hundert Jahren. Mittlerweile sei Großbritannien – das diesjährige Partnerland der CeBIT – einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands und für deutsche Unternehmen nach den USA der zweitwichtigste Investitionsstandort.

Angela Merkel

(Bild: CeBIT)

Merkel ging auch auf das Motto der Messe ein, "Datability". Sie bezeichnete es als "ein Motto, das zum Träumen anregt". Bei dem, was die Anreicherung großer Datenmengen unter dem Stichwort "Big Data" bedeute, finde Merkel am spannendsten den damit verbundenen Paradigmenwechsel: Der Mensch müsse sich nicht mehr auf die Bedienung des Produkts einstellen, sondern das Produkt sich auf den Menschen. Aus den Datenbergen ließen sich Muster herauslesen, doch es sei wichtig, wie das geschehe, damit die Menschen nicht außen vor blieben.

Nun komme es darauf an, die digitale Welt in einen Ordnungs- und Rechtsrahmen einzufügen. Hier sei erst ein Anfang gemacht, meinte Merkel. Daher sei die Datenschutzgrundverordnung in der EU wichtig, aber auch internationale Vereinbarungen zum Datenschutz. Auf diesen müsse auch in den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen mit den USA eingegangen werden. Die EU wiederum habe als Binnenmarkt auf dem digitalen Sektor Nachholbedarf, sagte Merkel an die anwesende EU-Kommissarin Neelie Kroes gewandt.

David Cameron

(Bild: CeBIT)

Der britische Premierminister David Cameron nahm zu Beginn seines Vortrags einen Werbeslogan aus Deutschland auf: "Vorsprung durch Technik." Mittlerweile gebe es eine permanente technische Revolution, auf die er als Regierungschef sein Land einzustellen versuche. Hier zählte Cameron einige Entwicklungen in jüngster Zeit in seinem Land auf wie zum Beispiel Steuererleichterungen für IT-Unternehmen, ein überarbeitetes Ausschreibungssystem, besondere Visa für Unternehmer und Studenten. Großbritannien solle so das meistdigitalisierte Land unter den G8 werden.

Wir befänden uns an der Schwelle einer neuen industriellen Revolution, konstatierte Cameron. Doch die sei nicht allein zu meistern. Hier warb der Premier dafür, britischen Erfindungsreichtum mit deutscher Industriekultur zu paaren: "Vorsprung durch Technik" sollten Großbritannien und Deutschland zusammen erreichen. Im Gegensatz zu allen anderen Rednern nahm Cameron das Thema Datenschutz nicht auf.

Dieter Kempf

Bitkom-Präsident Dieter Kempf erläuterte, was aus seiner Sicht mit dem Motto "Datability" gemeint ist, nämlich die Digitalisierung von Lebensbereichen, die sich bisher in der analogen Welt gehalten haben. Wenn die Digitalisierung intelligent gemacht werde, sei der Schritt in die vierte industrielle Revolution vollzogen.

Dabei sei Datenschutz wichtig, sagte Kempf in ähnlichem Tenor wie der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil zuvor, aber Datensparsamkeit sei ein Axiom aus der analogen Welt. Von der Digitalisierung zu lassen wegen möglicher Nebenwirkungen wäre rückwärtsgewandt, meinte Kempf. Es gehe also darum, Datenreichtum – mit dem das Gesundheits-, Bildungswesen, die Energieversorgung, der Verkehr und vieles mehr effizienter gestaltet werden könne – mit Datenschutz zu verknüpfen. "Wer Daten nutzen will, muss auch für ihren Schutz sorgen." Hier nannte Kempf die Stichwörter Anonymisierung und Pseudonymisierung.

Martin Winterkorn

(Bild: CeBIT)

VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn stellte die Mobilität der Zukunft in den Mittelpunkt. Für die Menschen sei ein Leben ohne Auto genauso unvorstellbar wie ein Leben ohne PC, Tablet oder Smartphone. Die Mobilität müsse intelligenter und vernetzter werden. Als zwei Hauptströme der Entwicklung nannte Winterkorn die Vernetzung des Autos mit der Umwelt und das automatische Fahren.

Um dies und auch den Trend zu kürzeren Entwicklungszyklen bewältigen zu können, sei in großer Schulterschluss zwischen der IT- und der Automobilbranche nötig. "Auto und Computer bilden inzwischen fast eine große Koalition", sagte Winterkorn, und nahm ein Zitat Angela Merkel in den Mund: "Große Koalitionen sind für große Aufgaben."

Allein ein aktueller VW Golf enthalte 1,5 km Kabel, 50 Steuergeräte und die Rechenpower von 20 modernen PCs, das Auto sei ein "rollendes Rechenzentrum, sagte Winterkorn. Die Computertechnik für autonome Fahrzeuge habe noch vor ein paar Jahren einen Kofferraum gefüllt, nun sei nur noch eine kleine Recheneinheit nötig. "Mit dem rasanten Fortschritt bei Bandbreiten und Datenverarbeitung öffnen sich für die Mobilität jetzt natürlich noch ganz andere Türen." Für den Komfort und die Sicherheit der Autofahrer fielen viele Daten an. Umso wichtiger sei eine Selbstverpflichtung der Automobilindustrie für den Datenschutz. Dafür stehe sein Unternehmen ein, sagte der VW-Chef. (anw)

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