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"Big Four" im Umbruch

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Die großen Vier der Musikbranche haben an den Veränderungen der Industrie weiter zu knabbern. Während Sony Music nach der Trennung von Bertelsmann und einigen Hits in diesem Jahr bisher vergleichsweise stabil ist, sind die Aussichten bei Warner, EMI und Universal weniger rosig. Universal steht vor neuen Sparmaßnahmen; bei Warner brechen die CD-Umsätze schneller weg, als das Online-Geschäft wachsen kann. Und bei EMI flammen die Gerüchte um einen möglichen Verkauf neu auf.

Warner hat im Ende September abgeschlossenen vierten Quartal seines Geschäftsjahres einen Umsatzrückgang um 13 Prozent auf 752 Millionen US-Dollar zu verzeichnen. Das Major Label weitete seine Verluste von 18 auf 46 Millionen US-Dollar aus. Das Digitalgeschäft wuchs zwar um 7 Prozent auf 197 Millionen US-Dollar und macht damit ein gutes Viertel des Gesamtumsatzes aus. Doch reicht das nicht, um den Schwund bei der CD auszugleichen.

Auch die angeschlagene EMI bleibt in unruhigem Fahrwasser. Dem Traditionslabel macht vor allem der Produktionssparte Sorgen, dem Musikverlag geht es besser. Zuletzt sorgte das Unternehmen vor allem wegen finanzieller Schwierigkeiten für Schlagzeilen – EMI braucht Geld, um seinen Kreditverpflichtungen nachzukommen. Mit dem Versuch, den von der Citigroup einfädelten und finanzierten Kauf der EMI vor Gericht anzufechten, holte sich EMI-Eigner Terra Firma jüngst eine Abfuhr. Bis zur nächsten Kreditprüfung hat der Investor nicht mehr viel Zeit – und noch weniger Optionen.

Das bringt Warner wieder ins Spiel, die schon seit Jahren mit dem Gedanken einer Übernahme spielen. Warner-Chef Edgar Bronfman Jr. wich Fragen zur angeblichen Vorbereitung eines Angebots am Mittwoch noch aus. Citigroup soll bereits zuvor die Aufspaltung von EMI vorgeschlagen haben. Die Produktionssparte wäre was für Warner, während das Verlagsgeschäft auch das Interesse der Bertelsmänner wecken dürfte, die nach der Trennung von Sony und dem Verkauf des Musikverlags das Musikrechtegeschäft wieder ausbauen wollen und den Markt sondieren.

Unterdessen macht Branchenprimus Universal Music Group (UMG) mit wohl anstehenden Entlassungen von sich reden. Die Vivendi-Tochter konnte ihren Umsatz im dritten Quartal auch dank Währungseffekten zwar um 6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro steigern, rechnet für das laufende Geschäftsjahr aber mit einem Rückgang der Einnahmen. UMG-Chef Lucian Grainge will im kommenden Jahr massiv die Kosten senken, um die Profitabilität zu steigern. Vivendis Finanzchef Philippe Capron erklärte die Pläne gegenüber der Presse: "Da kann viel Fett weggenommen werden, ohne Muskeln und Knochen zu verletzen." (vbr)