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Computex

Bilanz der zweitgrößten IT-Messe der Welt

Fünf Tage lang traf sich die IT-Welt auf der Computex, um sich über neue Trends und Produkte zu informieren. Die großen Themen der Messe waren VR, das Internet der Dinge und Start-ups. Daneben gab es aber auch reichlich klassische IT-Hardware zu sehen.

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Bilanz der zweitgrößten IT-Messe der Welt

Die Computex 2016 war irgendwie anders als ihre Vorgänger. Zwar hat sich der Kern der Messe nicht verändert – wer sich für aktuelle PC-Hardware, Notebooks, Tablets, Server und Co. interessiert, ist auf der Computex nach wie vor goldrichtig.

Daneben hat sich die inzwischen bereits 36 Jahre alte IT-Show aber zwei neue Standbeine geschaffen: Quasi als Messe in der Messe gibt es die InnoVEX, einen Bereich für Start-ups, die nicht nur vom Messeveranstalter, sondern auch von der taiwanischen Regierung intensiv umworben werden. Die zweite Teilmesse ist die SmarTEX, auf der sich vor allem Unternehmen tummeln, die sich mit dem Internet der Dinge befassen. Gerade in diesem Bereich sehen viele kleinere und mittelgroße taiwanische Unternehmen ihre Zukunft, nachdem der Markt für PCs und PC-Komponenten in den letzten Jahren immer enger geworden ist.

Daneben schmückt sich die Computex inzwischen wie nahezu alle internationalen Messen mit einem reichhaltigen Konferenzprogramm. Mit dabei schon seit Jahren: Intel und Microsoft. Neu hinzugekommen sind Konferenzen zum Thema Industrie 4.0, an denen sich unter anderem Siemens und Mercedes beteiligen.

Bei den Ausstellern, deren Kerngeschäft nach wie vor der PC und seine Komponenten ist, war nahezu auf jedem Stand eine VR-Demo zu sehen. Kein Wunder, eröffnen die virtuellen Welten doch endlich wieder neue Absatzmärkte – nicht nur für die Hersteller von VR-Brillen. Damit eine HTC Vive oder eine Occulus Rift ruckelfrei arbeiten, braucht es schließlich leistungsstarke Rechner mit moderner Grafik-Hardware.

Etwas ruhiger scheint es rund um das Thema Overclocking zu werden: Waren früher an nahezu jedem Stand Jungs zu sehen, die versuchten, mit flüssigem Stickstoff das letzte aus CPU, Speicher und Grafikkarte herauszukitzeln, gab es 2016 deutlich weniger "dampfende Bühnen".

Das Thema Gaming in all seinen Spielarten ist für die verbliebenen Hardware-Hersteller freilich immer noch enorm wichtig: Egal ob PC, Notebook, Tastatur, Maus oder Gehäuse, überall gab es für die Gaming-Klientel bunt blinkende Produkte.

#heiseshow Spezial @ Computex: Georg Schnurer, Christian Hirsch und Alexander Spier aus der c't-Redaktion diskutieren über die Messe.

... Und zum Nachhören:

Auf der heutigen Abschluss-Pressekonferenz zeigte sich Walter Yeh, Executive Vice President des Veranstalters Taitra, überzeugt davon, dass die Erweiterung der Computex ein Schritt in die richtige Richtung war. Das Konzept sei sowohl von den Ausstellern als auch von den Besuchern positiv aufgenommen worden. Angesichts der erwähnten Neuorientierung vieler taiwanischer Hersteller erscheint das auch jenseits des üblichen Zweckoptimismus von Messeveranstaltern durchaus glaubwürdig.

Zumindest bei der Zahl der Internationalen Besucher konnte die Computex gegenüber dem Vorjahr zulegen: Fanden 2015 noch 38.550 sogenannte "international visitors" den Weg in Taiwans Hauptstadt Teipeh, waren es 2016 immerhin 40.969. Das Nationen-Ranking und damit die nationale Mischung der Fachbesucher war 2016 wie in den Vorjahren unverändert: Die meisten kamen aus China, Japan, den USA, Hong Kong und Korea.

Bei der Zahl der Aussteller musste sich die Computex 2016 erstmals vom ewigen Wachstum verabschieden: Waren es im Vorjahr noch gut 1700 Firmen, sank ihre Zahl in diesem Jahr auf 1602. In den Messehallen entdeckte man 2016 so auch erstmals einige leere Bereiche. Der ehedem vor allem von kleinen Ausstellern aus der Zulieferindustrie belegte 1. Stock der Halle 1 wurde als Besucherregistrierungszentrum genutzt. Und selbst in der recht neuen Halle 2 in Nangang gab es im obersten Stockwerk einigen Leerstand.

Selbst die in der Vergangenheit so wachstumsorientierte Computex scheint also nicht gegen den weltweiten Trend weg von großen Messen gefeit zu sein. Die nicht gefüllte Ausstellungsfläche in der von der InnoVES @ Computex 2016 genutzten Halle 3 darf man hingegen nicht als negatives Zeichen missdeuten: Von einem neuen Messezweig, der sich erstmals explizit an Start-ups wendet, darf man im ersten Jahr einfach nicht erwarten, eine so große Halle zu füllen. (gs)