Bilanzmanipulation: KPMG-Prüfung scheint Wirecard weiter zu entlasten

Der unabhängige Prüfbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG soll Wirecard von Vorwürfen der Bilanzmanipulation entlasten.

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Der Hauptsitz von Wirecard in Aschheim.

(Bild: Wirecard)

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Der Zahlungsdienstleister Wirecard sieht sich durch die KPMG-Sonderprüfung wegen Vorwürfen der Bilanzmanipulation weiter entlastet. In den Prüfbereichen hätten sich für die Jahre 2016 bis 2018 nach wie vor keine substanziellen Feststellungen ergeben, die Korrekturen erforderlich gemacht hätten, teilte der Dax-Konzern am Dienstag mit.

Dem Konzern sei der mit Spannung erwartete Bericht der Sonderuntersuchung in den frühen Morgenstunden übergeben worden. Der KPMG-Prüfbericht ist auf der Webseite des Unternehmens öffentlich einsehbar. Die Prüfer von KPMG hätten bei Wirecard jedoch Dokumentations- und Organisationsschwächen im Untersuchungszeitraum festgestellt. Diese seien vom Konzern bereits identifiziert worden. Den Schwächen werde durch den Aufbau einer Compliance-Abteilung begegnet, dies werde durch externe Berater unterstützt.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hatte seit Oktober die Bücher von Wirecard durchleuchtet, nachdem vor allem die britische Wirtschaftszeitung Financial Times mit einer kritischen Artikelserie für Unruhe und einen abstürzenden Aktienkurs gesorgt hatte. Wirecard wurde in den Artikeln vorgeworfen, dass zwei ihrer Tochterfirmen in Hongkong und Singapur ihre Umsätze mit fingierten Verträgen aufgepeppt haben.

Konkret sollen verdächtige Transaktionen in Höhe von rund 37 Millionen US-Dollar getätigt worden sein. Verantwortlich sollte ein hochrangiger Manager des Asiengeschäfts sein, hieß es damals. Wirecard dementierte die Vorwürfe, konnte aber nicht verhindern, dass der Aktienkurs deutlich einbrach. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) interessierte sich für den Fall.

Wirecard beauftragte aufgrund der anhaltenden Vorwürfe im Oktober 2019 eine unabhängige Prüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, deren Bericht nun vorliegt und das Unternehmen endgültig entlasten und das Vertrauen der Kunden und Anleger wiederherstellen soll.

Regulärer Buchprüfer bei Wirecard ist Ernst & Young (EY). Die für Donnerstag geplante Bilanzpressekonferenz mit Veröffentlichung des Jahresabschlusses werde verschoben, heißt es in der Mitteilung weiter.

[Update 28.04.2020 – 13:30 Uhr] Während der Wirecard-Chef Markus Braun sein rasant wachsendes Unternehmen durch den Bericht entlastet sieht, reagierten die Investoren an der Frankfurter Börse schockiert. Die Wirecard-Aktie verlor am Vormittag innerhalb kurzer Zeit 20 Prozent ihres Werts. Grund ist der Hinweis von KPMG auf das Fehlen wichtiger Unterlagen. Explizit genannt werden in dem Bericht Zahlungen auf Treuhänderkonten in Höhe von einer Milliarde Euro, bei denen unklar blieb, ob sie tatsächlich von Wirecard-Geschäftspartnern stammten. "Insofern liegt ein Untersuchungshemmnis vor", hatten die Prüfer erklärt.

Die KPMG-Prüfer hatten beklagt, dass die Wirecard AG im Verlauf der Untersuchung angeforderte Dokumente "teilweise nicht bzw. erst mehrere Monate nach Anforderung" lieferte. Braun hatte das mit Besonderheiten der forensischen Prüfung erklärt, in der auch Einblick in externe Unterlagen verlangt worden sei. Die Drittfirmen stellten laut KPMG die angeforderten Unterlagen aber nicht zur Verfügung – anders als eine Staatsanwaltschaft haben Wirtschaftsprüfer kein Recht auf Akteneinsicht. (olb)