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Bilderspende: Bundesarchiv kooperiert mit Wikipedia

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Mit einer großen Bilderspende hat das Bundesarchiv heute in Berlin eine offizielle Kooperation der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia begonnen. Über 89.000 Bilder aus der deutschen Geschichte werden in den nächsten Tagen in dem freien Bilderarchiv Wikimedia Commons verfügbar sein.

Die Bilder zeigen Ereignisse und Personen der deutschen Kolonialgeschichte, der Weimarer Republik, der Zeit des Nationalsozialismus, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Darunter finden sich Aufnahmen vom Konzentrationslager in Dachau und von der Stürmung der Stasi-Zentrale in Berlin 1990, aber auch von Alltagsszenen und Forschungsexpeditionen.

Bereits im September 2007 hatte das Bundesarchiv 170.000 digitalisierte Fotos online gestellt, die Nutzung der Bilder war aber bisher kostenpflichtig und die Navigation sehr sperrig. Für die Kooperation mit der Wikipedia hat die Bundesbehörde die Bilder zur Verfügung gestellt, an denen sie genügend Rechte hatte, um sie unter einer freien Lizenz zu veröffentlichen. Sie stehen nun unter der Lizenz Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0, die auch die kommerzielle Nutzung und Bearbeitung der Bilder erlaubt.

"In Kooperation mit Wikimedia Deutschland sind wir dem Ziel, die im Bundesarchiv verwahrten zirka 11 Millionen Bilder nutzbar zu machen und einen freien Zugang zu ermöglichen, einen großen Schritt nähergekommen", erklärte die Vizepräsidentin des Bundesarchivs Angelika Menne-Haritz. Die Behörde ist laut dem Bundesarchivgesetz verpflichtet, das Archivgut auf Dauer zu sichern, nutzbar zu machen und wissenschaftlich zu verwerten. Durch die Platzierung bei Wikipedia, einer der zehn weltweit am meisten abgerufenen Websites, wird diesem Ziel und dem Gedanken des Open Access Rechnung getragen.

Für die Bundesbehörde besteht aber auch ein ganz konkreter Vorteil: Da die Wikipedia-Artikel mit der offiziellen Personennamendatei der Deutschen Nationalbibliothek und der Bibliotheksverbünde verknüpft werden, erhält das Bundesarchiv durch die Kooperation weitere Daten, die die Zuordnung der Fotos im offiziellen Archiv verbessern können.

Auch Wikipedia profitiert von der Kooperation: Mathias Schindler, Projekt-Initiator und Mitglied von Wikimedia Deutschland, rechnet damit, dass die Bebilderungsquote in Wikipedia-Artikeln sprunghaft ansteigen wird. "Gerade bei Politikern, die nicht mehr im politischen Geschäft sind, haben Wikipedianer wenig Möglichkeiten, aktuelle Fotos anzufertigen." Unter anderem durch die offiziellen Fotos des Bundespresseamts kann diese Lücke geschlossen werden. "Aber auch Schnappschüsse, die niemals in Wikipedia erscheinen, sind Puzzleteile des Zeitgeschehens", erklärt Schindler im Gespräch mit heise online. Mittlerweile könne der Nutzer in Wikimedia Commons auch ohne Hilfe der Wikipedia eine virtuelle Reise "durch Länder oder zu bestimmten Themen" machen. Aktuell enthält Wikimedia Commons rund 3,5 Millionen Dateien und etwa 84.500 Sammlungen. (Torsten Kleinz) / (anw)

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