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Technology Review

Bildschirm im Auge

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Google Glass spaltet die Technikwelt: Während einige die Datenbrille schon jetzt als das ultimative Endgerät für die vernetzte Welt feiern, finden andere sie vor allem lästig und hässlich. So ein Glasbalken vor dem Auge ist Geschmackssache. Experten gehen aber ohnehin davon aus, dass Google Glass nur ein Übergangsprodukt ist und Displays für die erweiterte Realität in den kommenden Jahren in Kontaktlinsen wandern. Ingenieure vom Nationalen Institut für Wissenschaft und Technik im südkoreanischen Ulsan haben nun einen ersten Schritt dorthin gemacht, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Sie haben eine handelsübliche Kontaktlinse mit einer Leuchtdiode und einer neuartigen transparenten Elektrode kombiniert.

Die LED sitzt dabei auf einer leitfähigen und elastischen Mischung aus Graphen und Nanodrähten aus Silber, die als Elektrode dient und von der Gruppe um Jang-Ung Park selbst entwickelt wurde. Bei Graphen handelt es sich um Kohlenstoffschichten, die eine Dicke von nur einem Atom haben und als vielversprechender Werkstoff für eine künftige Nanoelektronik gelten.

Die Kontaktlinsen testeten die Koreaner an Kaninchen, deren Augen eine ähnliche Größe wie menschliche Augen haben. Die Nager zeigten sich auch nach fünf Stunden unbeeinträchtigt von den Linsen, weder rieben sie mit ihren Pfoten die Augen, noch liefen diese rot an. Die Elektronik funktionierte auch nach fünf Stunden einwandfrei, wie die Forscher im Journal "Nano Letters" berichten. An dem Projekt waren auch zwei Forschungsabteilungen von Samsung beteiligt.

Andere Forschungsgruppen haben in den letzten fünf Jahren ebenfalls elektronische Kontaktlinsen konzipiert. Die Schweizer Firma Sensimed bietet bereits Linsen an, mit denen Glaukom-Patienten über 24 Stunden den Augendruck messen können. Auch Babak Parviz von der University of Washington, einer der Köpfe hinter Google Glass, hat ein ähnliches System entwickelt. Doch alle bisherigen Modelle verwenden starre oder nicht-transparente Materialien.

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