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Bill Gates: Roboter werden Bestandteil des täglichen Lebens

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Robotik gilt nicht gerade als Kerngeschäft des Softwarekonzerns Microsoft – dennoch wirft sich sein Chef Bill Gates in einem Artikel für die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft in die Pose des Roboter-Propheten: Bald würden Roboter etwa in der Rolle automatischer Altenpfleger oder ferngesteuerter Chirurgen "alle Bereiche unserer Lebenswelt prägen". Zwar würden nur wenige Systeme den zweibeinigen Humanoiden aus Science-Fiction-Filmen ähnlich sehen, aber spezialisierte Roboter würden die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, kommunizieren, lernen und sich unterhalten lassen, so gründlich verändern wie in den vergangenen drei Jahrzehnten der Computer.

Noch würde es Robotern schwer fallen, sich schnell in ihrer Umgebung zu orientieren und auf sie zu reagieren. Die Lösung für dieses Problem sieht Gates in den sinkenden Kosten für Sensoren und Rechenleistung – ein Laser-Entfernungsmesser etwa koste heute 2.500 Euro, noch vor wenigen Jahren seien es über 12.000 Euro gewesen. Rechenintensive Operationen wie bei der Bildverarbeitung und der Navigation könnten Roboter dank bereits ausgereifter Techniken wie dezentrales Rechnen oder drahtlosen Breitbandverbindungen auch an leistungsfähige Heimcomputer abgeben. Große Hoffnungen setzt Gates außerdem in die Forschung, die auf dem Gebiet autonomer Systeme große Fortschritte mache, wie etwa das Roboterrennen Grand Challenge zeige. Schon heute könnten Roboter in einer Wohnung Staub saugen oder dabei helfen, eine Mine zu entschärfen – das seien Aufgaben, die bis vor Kurzem noch keine kommerziell hergestellte Maschine hätte erledigen können.

Dennoch vergleicht Gates die heutige Situation der Roboterindustrie mit dem Zustand der Computerbauer vor dreißig Jahren: Es gibt keine gemeinsamen Standards und Plattformen, deshalb müssten die Entwickler ihre Systeme jedes Mal von Grund auf neu entwerfen. Deshalb verliefe der Fortschritt nur langsam und praktische Anwendungen wären noch selten. Um diesem Misstand abzuhelfen, wolle Microsoft mit seinem Robotics Studio Entwicklern eine erschwingliche, offene Plattform bieten: Das Paket erlaube die Programmierung von Roboteranwendungen in verschiedenen Sprachen sowie den Test der Algorithmen in einer dreidimensionalen Simulation.

Gates zieht dabei eine Parallele zwischen der neuen Roboter-Plattform seiner Firma und der Programmiersprache Basic (insbesondere in Gestalt von Microsoft Basic), die er selbst als einen der "Schlüsselfaktoren" der PC-Revolution sieht: "Eine komfortable Programmiersprache, die auf unterschiedlichen Computersystemen funktionierte und einfach zu bedienen war – das brachte immer mehr Leute zum Programmieren und bald wurde eine kritische Masse überschritten", schwärmt Gates.

Denn nicht nur technisch fühlt sich der Microsoft-Chef an die Zeit vor dreißig Jahren erinnert, er erkennt auch Parallelen zwischen der damaligen Aufbruchstimmung unter den Nerds und der Begeisterung unter den Roboterforschern von heute, die ihn an die Zeit zurückdenken lassen, "als Paul Allen und ich angesichts der neuen technischen Möglichkeiten davon träumten, dass irgendwann auf jedem Schreibtisch und in jedem Haus ein Computer stehen könnte." So selbstverständlich, wie Computer heute den Alltag bestimmen, könnten in Zukunft roboterähnliche Geräte zu einem fast allgegenwärtigen Bestandteil des täglichen Lebens werden, behauptet Gates: "Wir befinden uns am Anfang eines Zeitalters, in dem der PC gewissermaßen von unserem Schreibtisch aufsteht und uns dazu verhilft, anderswo Dinge zu sehen, zu hören, zu berühren und zu verändern." Um die Akzeptanz solcher Maschinen im Alltag macht er sich dabei keine Sorgen: Literatur und Filme wie Krieg der Sterne oder Raumschiff Enterprise hätten Maschinen in Menschengestalt im Lauf des letzten Jahrhunderts zu "vertrauten Wesen" gemacht, deshalb würden Menschen solche Maschinen eines Tages als ihre Helfer akzeptieren – "und vielleicht sogar als Gefährten." (pek)

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