Bill Gates: XML und .NET revolutionieren die Softwarelandschaft

Sollte sich Microsofts Begeisterung für XML und .NET auf die globale Entwicklergemeinde übertragen, wird die Software der Zukunft nur noch wenig mit dem heutigen Zustand gemein haben.

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  • Natalia Pander, Matthias Holtz

Sollte sich Microsofts Begeisterung für XML-basierte Software-Architekturen im Allgemeinen und für .NET im Besonderen auf die globale Entwicklergemeinde übertragen, wird die Software der Zukunft nur noch wenig mit dem gemein haben, was heutigen Gewohnheiten entspricht. Der Softwaregigant aus Redmond propagiert nun schon seit einigen Jahren seine Vision von dezentralisierten Programmen und Services, die unabhängig von Plattformen, Geräten und Ort funktionieren. Mit Microsofts .NET wird es nun aber ernst; und Zeit hat Microsoft nicht zu verlieren, denn Firmen wie IBM, Sun und Oracle arbeiten ebenfalls an entsprechenden Entwicklertools, die das Internet zu einem gewaltigen Computer und zu einem allgemein verfügbaren Datenspeicher verwandeln sollen.

Bill Gates ließ während seiner Keynote vor rund 6.700 Zuhörern auf der Microsoft Professional Developer Conference (PDC) keinen Zweifel daran, wie die Marschrichtung aussieht: Mit dem Erscheinen von Windows XP am Donnerstag sowie den ersten .NET-Services ist die Roadmap für dieses Jahr praktisch abgefeiert. Das nächste Jahr steht dann im Zeichen des Tablet PC und dem Erscheinen eines neuen .NET-Server-Betriebssystems sowie dem .NET Enterprise Server 2002 für E-Business. Für Programmierer wird Visual Studio.NT bereits Anfang 2002 fertig.

2003 ist laut Gates das nächste größere Windows-Relaease, Codename Longhorn, fällig, das wesentlich stärker auf Peer-to-Peer-Technologien und auf eine "erweiterte Präsentationsumgebung" ausgerichtet ist. Im gleichen Jahr sollen sich die .NET-Services auf breiter Basis durchsetzen, während für Entwickler eine neue Visual Studio.NET-Version zur Verfügung stehen wird. Darüber hinaus ist eine weitere Generation an .NET-Enterprise-Servern geplant.

Pre-Release-Versionen von Visual Studio.NET und .NET-Framework verteilte Microsoft bereits an die Teilnehmer der PDC, zudem kündigte Gates .NET-Software-Entwicklertools für Mobiltelefone und PDAs an. Auch die nächste Version von Windows CE, Codename Talisker, wird mit der offiziellen Bezeichnung Windows CE .NET der Microsoft-Strategie Rechnung tragen.

Dezentrales Computing in Verbindung mit hochgradiger Skalierbarkeit gehört nach Ansicht von Gates zu einer der Schlüsselkomponenten der künftigen Softwarearchitektur. Software wird in Zukunft dezentralisiert und per regelmäßiger Gebühr bezahlt und verwendet werden. Seine Vision reicht aber noch weiter, wenn es um das Sharing von Ressourcen im Allgmeinen geht: "So könnte man sogar das Konzept verfolgen, dass Unternehmen bei extrem hohem Traffic auf ihren Servern Applikationen auf einer Pay-as-you-go–Basis auf externe Ressourcen auslagern", erklärte Gates eine der zahlreichen Vorteile von XML und SOAP (Simple Object Access Protocol). Analysten sind allerdings skeptisch: Wenn Unternehmen ihre Datenbanken oder Privatanwender ihre persönlichen Informationen "irgendwo" im Internet ablegen sollen, muss die Sicherheit gewährleistet sein, und genau daran zweifeln zahlreiche Experten.

Mit vier Spezifikationen, die Microsoft ebenfalls gestern auf der PDC als Teil seiner Entwicklungsarchtiektur Global XML Web Services Architecture vorstellte, werden allerdings auch Sicherheitsaspekte adressiert. Das Architekturmodell besteht aus Richtlinien zur Verbesserung der heute existierenden Protokolle und Dateiformate für XML-Web-Services. Die vier Spezifiaktionen WS-Security, WS-License, WS-Routing und WS-Referral bauen auf XML-Technologien wie SOAP auf und sollen letztlich Gates’ Vision vom "global class computing" verwirklichen. WS-Security beschreibt, wie die W3C-Spezifikationen XML Signature und XML Encryption implementiert werden sollen, während WS-License definiert, wie digitale Zertifikate in SOAP-Nachrichten eingebunden werden können. WS-Routing und -Referral schließlich umfassen das dynamische Routing von SOAP-basierten Paketen zwischen verschiedenen Netzwerken. Microsoft hat die Spezifikationen zunächst zur Revision unter msdn.microsoft.com veröffentlicht und will sie zu einem nicht genannten Zeitpunkt zu Standards "befördern". (Natalia Pander, Matthias Holtz) / (jk)