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Bill Gates als Schirmherr für Rundum-Sicherheit

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Trustworthy computing gab Microsoft-Gründer Bill Gates im Januar als neues Obermotto in einer E-Mail an seine Mitarbeiter aus. Nun will der Redmonder Riese offenbar nicht nur bei der Software ernst machen mit dem "vertrauenswürdigen Computereinsatz". Laut des US-Nachrichtenmagazina Newsweek plant der Konzern einen Rundumschlag in Sachen Sicherheit, an dem unter anderem die Chiphersteller AMD und Intel beteiligt sein sollen.

Bei dem Sicherheitskonzept namens Palladium geht es um Firewalls, Virenschutz, Verschlüsselungs- und Autorisierungssysteme, Spam-Filter und Digital Rights Management (DRM). Die Verschlüsselung soll sich nicht auf den externen Datenaustausch etwa mit dem Internet beschränken; auch innerhalb eines Rechners könnten Daten auf dem Weg von der Tastatur zum Prozessor und zum Bildschirm für Unbefugte unkenntlich gemacht werden. DRM als grundlegender Bestandteil von Windows soll sich nicht allein auf urheberrechtlich geschützte Musikstücke und Filme beschränken, sondern beispielsweise auf E-Mails erweitert und somit auch für private Verbraucher interessant werden, die ihre Daten auch schützen wollen, wenn sie ihre Privatsphäre verlassen haben. Ein DRM in Zusammenarbeit mit vollständiger Verschlüsselung bei der Kommunikation innerhalb des Rechners würde allerdings auch ganz neue Kontroll- und Abrechnungsmechanismen ermöglichen ...

Microsoft-Vizepräsident Will Poole meint, ein so umfangreiches Vorhaben, das rund 100 Millionen US-Dollar verschlingen könne, brauche die Unterstützung anderer großer Unternehmen. AMD und Intel hätten bereits zugesagt, "sichere Chips" zu produzieren. Details zu den neuen Prozessoren wurden noch nicht öffentlicht; bei ihnen sollen weniger die Geschwindigkeit denn die Sicherheit im Vordergrund stehen. Im nächsten Schritt sollen Computerhersteller wie IBM, Dell und Hewlett-Packard mit ins Boot geholt werden.

Martin Reynolds, Analyst bei Gartner, meint laut Newsweek, die geplanten Entwicklungen seien sehr komplex. Daher sei damit zu rechnen, dass Computer der kommenden "Sicherheitsgeneration" mehr kosten werden. Dies könnte dem Bericht nach voraussichtlich in zwei Jahren so weit sein, wenn Microsoft Palladium in sein Betriebssystem Windows eingebaut haben will. Wenn die entsprechenden Systeme, die zunächst für Behörden und den Gesundheitssektor gedacht sind, auf Akzeptanz stoßen, will der Softwarekonzern entsprechende Anwendungen auf den Markt bringen.

Bei großer Akzeptanz könnte Microsoft erneut Ärger ins Haus stehen. Das Palladium-Konzept ist zunächst nur für Windows gedacht, heißt es bei Newsweek. Für die US-amerikanischen Kartellwächter könnte das eine neue Gelegenheit geben, Microsoft neuer Monopolbestrebungen zu verdächtigen. (anw)