Bill Gates im Fadenkreuz von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern

Nicht zuletzt seit seiner Kritik an US-Präsident Donald Trump steht Bill Gates im Zentrum von Verschwörungstheorien rund um die Verbreitung von SARS-CoV-2.

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Gates im April 2015 auf der Bühne der Konferenz TED (Technology, Entertainment, Design).

(Bild: TED)

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"It’s easy to predict the future when you are creating it." So lautet ein Kommentar eines Youtube-Nutzers unter einem Video, in dem vor fünf Jahren Bill Gates vor einer Pandemie warnte. Der in den jüngsten Jahren philantropisch insbesondere auf dem Gebiet der Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten tätige Milliardär ist spätestens seit seiner Kritik an der Politik der US-Regierung unter Donald Trump Ziel von Verschwörungstheorien geworden.

Bill Gates Anfang April 2015 auf der Konferenz TED. (Quelle: TED)

Trump hatte kürzlich die Zahlungen an die WHO eingestellt mit dem Vorwurf an die Weltgesundheitsorganisation, Missmanagement zu betreiben und mit dem Vertrauen auf Angaben aus China die Coronavirus-Epidemie dramatisch verschlimmert zu haben. Gates meinte daraufhin über Twitter, der Schritt der USA sei gefährlich, denn die Welt brauche die WHO, die die Verbreitung von SARS-CoV-2 verlangsame.

Gates hatte im April 2015 geschildert, dass die Welt nicht so sehr von einem nuklearen Krieg bedroht sei, sondern viel mehr von dem globalen Ausbruch eines Virus. Das Video ist laut einem Bericht der New York Times in den vergangenen Wochen 25 Millionen Mal angeklickt worden. Viele Menschen lobten dabei aber nicht Gates' Weitsicht, vielmehr sehen sie das Video als einen Beleg dafür, dass der Milliardär mithilfe einer Pandemie die Kontrolle über die Gesundheitssysteme der Welt erlangen wolle.

In Beiträgen auf Youtube, Facebook und Twitter gehen die Nutzer so weit zu behaupten, Gates höchstselbst habe SARS-CoV-2 in die Welt gesetzt, um von der Entwicklung eines Impfstoffes zu profitieren. Andere meinen, Gates habe sich mitverschworen, mithilfe von Covid-19 die Weltbevölkerung zu selektieren oder zu überwachen.

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Gates selbst hatte vor kurzem unter anderem angekündigt, dass die von ihm mitgeführte Bill and Melinda Gates Foundation für alle sieben der erfolgversprechendsten Impfansätze Fabriken finanzieren werde. Die Stiftung hat nun ihre Mittel für den Kampf gegen SARS-CoV-2 um 150 Millionen US-Dollar erhöht. Im Internet hat die Gates-Stiftung unter #solidaritypledge zur Solidarität in der Coronavirus-Krise aufgerufen. Die Kampagne fand auch in Deutschland ihren Niederschlag, darunter auch bei Impfgegnern, die mit der Losung "Gib Gates keine Chance" antworteten, angelehnt an eine Kampagne der BZgA aus den 80er-Jahren.

Mit seinen Appellen in den vergangenen Wochen an die Menschen, möglichst zu Hause zu bleiben, Testverfahren und die Entwicklung von Impfstoffen voranzubringen hat sich Gates zu einer Art Gegentrump in Sachen Corona entwickelt, zumal der derzeitige US-Präsident die Gefahren durch das Virus zunächst heruntergespielt hatte. Ende März schrieb Gates in der Washington Post, die USA hätten die Chance vertan, dem Virus einen Schritt voraus zu sein.

Trumpbefürworter und Impfgegner scheinen nun Hand in Hand Gates als Zielscheibe ihrer Angriffe auserkoren zu haben. Die Medienanalyse-Firma Zignal Labs hat Fehlinformationen über den Microsoft-Mitgründer als jene mit dem größten Anteil an Fake News im Zusammenhang mit dem Coronavirus ausgemacht. Die zehn auf Youtube beliebtesten Videos im März und April, in denen Lügen über Bill Gates verbreitet werden, wurden rund fünf Millionen Mal angeklickt, schreibt die New York Times.

Die Zeitung führt die Verschwörungstheorie um Bill Gates und SARS-CoV-2 auf den 21. Januar 2020 zurück, als sie das erste Mal auf Twitter aufgekommen sei. Dabei sei die Rede von einem "Patent für Covid-19" des britischen Pirbright Institute die Rede gewesen, das von der Gates Foundation finanziert werde. In Wahrheit ging es in dem Patent um ein anderes Coronavirus, das Geflügel gefährlich werden kann. Die Website Infowars habe hingegen die Behauptung verbreitet, in dem Patent gehe es um das "tödliche Virus". Diese Falschinformationen seien von Februar bis April in sozialen Medien 1,2 Millionen Mal erwähnt worden und damit ein Drittel häufiger als die zweitmeist erwähnte Verschwörungstheorie, 5G-Funk begünstige die Verbreitung von SARS-CoV-2. (anw)