Bill Gates will sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen

Der Microsoft-Gründer will sich ab Juli 2008 nur noch um die Bill & Melinda Gates Foundation kümmern, die über ein Vermögen von 29 Milliarden Dollar verfügt und sich auf die Bereitstellung von Impfstoffen für arme Länder in Afrika und Asien konzentriert.

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Von
  • Jürgen Kuri

Microsoft-Mitgründer Bill Gates will sich aus dem Tagegeschäft zurückziehen. Gates teilte mit, er wolle mehr Zeit für seine Stiftung aufbringen und sich von Juli 2008 vorrangig darum kümmern. Er wolle zwar Aufsichtsratsvorsitzender bei Microsoft bleiben, aber einen Prozess starten, um die Verantwortung als letztendlich Verantwortlicher für die Produktentwicklung aufzugeben. Mit sofortiger Wirkung soll Ray Ozzie, Erfinder von Lotus Notes und mit der Übernahme seiner Firma Groove Networks zu Microsoft gekommen, von Gates den Titel des Chief Software Architect übernehmen. Craig Mundie, Chief Technical Officer bei Microsoft, soll zudem die neue Rolle als Chief Research and Strategy Officer ausüben. Gates und Ozzie wollen eng zusammenarbeiten, um einen nahtlosen Übergang der Verantwortlichkeiten beim Ausscheiden von Gates zu garantieren.

"Das ist keine Pensionierung, es ist eine Neuordnung meiner Prioritäten", erklärte Gates laut dem Wall Street Journal. "Es war sehr hart für mich, diese Entscheidung zu treffen", sagte Gates zudem in einer Pressekonferenz. "Ich glaube, dass Microsoft diesen Übergang bewältigen kann, ohne eine Entwicklung zu verpassen." Microsoft sei für den künftigen Erfolg gut aufgestellt.

Mit dem Rückzug von Bill Gates dürfte Steve Ballmer endgültig zur zentralen Figur bei Microsoft werden – mit Ballmer übernahm vor über sechs Jahren ein robuster Geschäftsmann den Posten als CEO, der auch schon einmal als Microsofts Wadenbeißer bezeichnet wurde und mit harten Bandagen gegen die Konkurrenz kämpfte. Bereits 1998 hatte Ballmer den Präsidentenposten von Gates übernommen. Damals hatte Gates angekündigt, er wolle frühzeitig seine Nachfolge regeln, was aber frühestens in 10 Jahren anstünde – diesen Terminplan scheint der Microsoft-Übervater nun einzuhalten. Mit Ray Ozzie, der von Gates in letzter Zeit immer wieder als strategischer Kopf bei der Softwareentwicklung in den Vordergrund geschoben wurde, erwächst Ballmer aber ein Partner und Konkurrent, der etwa als treibende Kraft hinter Microsofts Live-Strategie für Web-Anwendungen und Online-Dienste bei Microsoft arbeitet.

Bill Gates, seit 12 Jahren der reichste Mann der Erde, hatte die Softwarefirma 1975 zusammen mit Paul Allen in Kalifornien gegründet. Mit den Hauptprodukten MS-DOS und später Windows sowie Office führte der Studienabbrecher Microsoft in den achtziger und neunziger Jahren an die Spitze der Softwarebranche und machte den Konzern zur den Markt dominierenden Firma – mit der beherrschenden Stellung, die Microsoft vor allem bei den Betriebssystemen für Desktop-PCs hat, und mit dem Vorgehen gegen Konkurrenten wie den Internet-Pionier Netscape geriet Gates' Firma aber auch immer wieder ins Visier der Wettbewerbshüter. In den USA einigte sich Microsoft nach langer Auseinandersetzung außergerichtlich auf Produktauflagen, deren Überwachung aber immer wieder Anlass zu Konflikten gibt. In Europa streitet sich Microsoft vor Gericht mit der EU-Kommission über eine Wettbewerbsentscheidung, die eine hohe Geldstrafe wegen wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken bei Media-Playern und Server-Betriebssystemen sowie Produktauflagen umfasste. Nachdem in früheren Jahren die Trennung vom langjährigen Partner IBM dazu führte, dass IBMs OS/2 zeitweise wie eine Bedrohung für Microsofts Geschäft aussah, entwickelten sich mittlerweile das freie Betriebssystem Linux, die Entwickler von freier und Open-Source-Software sowie in jüngster Zeit der Trend zur Verlagerung von Anwendungen ins Internet zu einer ernsthaften Konkurrenz für die Softwarefirma von Gates.

Im Oktober vergangenen Jahres feierte er seinen 50. Geburtstag. Mit seiner Stiftung, der Bill & Melinda Gates Foundation, wurden Gates und seine Frau Melinda zu den generösesten Spendern; im Jahr 2005 kürte das Nachrichtenmagazin Time deswegen Bill und Melinda Gates zu "Personen des Jahres". Die Stiftung verfügt über ein Vermögen von rund 29 Milliarden Dollar und konzentriert sich in ihrer Arbeit auf die Bereitstellung von Impfstoffen für arme Länder in Afrika und Asien. Bis zu seinem Tod will Gates nach eigenen Aussagen 90 bis 95 Prozent seines Gesamtvermögens spenden, 10 Millionen Dollar des Vermögens will er jedem seiner Kinder zukommen lassen. Mit seiner Frau Melinda und drei Kindern lebt Gates bei Redmond am Lake Washington.

Microsoft hat mittlerweile zu der Ankündigung von Gates und dem Übergang seiner Verantwortlichkeiten auf Ray Ozzie und Craig Mundie eine eigene Informationsseite eingerichtet. (jk)