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Bill Gates wird 60: Der Mann, der nicht KI-Forscher wurde

Unter den Gründern in der frühen Computer-Industrie war Bill Gates nie der coolste Typ, hat die Branche aber stärker geprägt als die meisten anderen. In der Zeit nach Microsoft hat er sich eine noch größere Aufgabe vorgenommen

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Bill Gates wird 60.

(Bild: dpa, Andrew Gombert)

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Er gilt als Mann der leisen Töne, der öffentliche Auftritte eher scheut. Auch heute hält sich William Henry Gates III (eigentlich IV), der am heutigen Mittwoch 60 Jahre alt wird, gern im Hintergrund auf. Der Microsoft-Gründer ist – je nach Börse – der reichste oder zweitreichste Mann der Welt. Auf der Liste der größten Spender steht er an Nummer Zwei hinter dem Investor Warren Buffett. Die zusammen seiner Frau gegründete Bill & Melinda Gates Foundation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Krankheiten zu bekämpfen.

Seine Karriere begann Gates als Programmierer, der in der anbrechenden Ära der Home Computer ein 4 KByte großes BASIC schrieb. Als wichtigste Inspirationsquellen für diese Arbeit nannte der junge Bill anno 1986 alle Entwickler des PDP-Betriebssystems und den Programmierer John Norton bei TRW, wo Gates als 17-Jähriger half, ein "Real-time Operations Dispatch and Scheduling System" zu verbessern. Wäre sein Leben in geregelten akademischen Bahnen verlaufen, bekannte Gates in einem AMA auf Reddit, so wäre er KI-Forscher an einer Universität geworden.

Bill Gates zum 60. (9 Bilder)

1978: Der junge Bill im Kreis der frühen Microsoft-Belegschaft, unten rechts Gründungspartner Paul Allen.
(Bild: dpa/Microsoft)

Aber der Lebenslauf von Bill Gates entwickelte sich anders, denn er ließ sein geplantes Studium links liegen: Zusammen mit seinem Schulfreund und Mentor Paul Allen gründete er 1975 die Firma Micro-Soft. Die war zur Stelle, als IBM für seinen geplanten Personal Computer ein BASIC suchte sowie ein Betriebssystem, das Gates und Allen flugs einkauften: aus QDOS wurde MS DOS. Seine Vision, dass nahezu jedem Haushalt ein PC steht, war vor 40 Jahren noch ein ehrgeiziges Ziel. Dank der erfolgreichen Geschäftsbeziehung mit IBM konnte Microsoft wachsen und begann spätestens mit dem Erfolg von Windows 3.0 den Markt zu dominieren. Heute gibt es Windows 10 und der CEO von Microsoft heißt Satya Nadellla, der das Unternehmen in das Cloud-Zeitalter führt.

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1994 heiratete Bill Gates die Microsoft-Programmiererin Melinda French, die ihn stark beeinflusste, sich aus dem Geschäft von Microsoft zurückzuziehen und mit seinen Milliarden Stiftungen aufzubauen, ein Prozess, der im Jahre 2000 begann. Die Bill & Melinda Gates Foundation gilt als die größte private Stiftung weltweit. Sie verfügt nach eigenen Angaben über ein Kapital von mehr als 40 Milliarden US-Dollar (36 Milliarden Euro). Das Ehepaar verfolgt mit der Stiftung ehrgeizige Ziele wie die Ausrottung der Kinderlähmung und kooperiert deswegen mit vielen Partnern, auch der Bundesregierung. Erst am Dienstag erklärte die Stiftung, mehr als eine Million US-Dollar für das UN-Flüchtlingshilfswerk bereitzustellen, um es bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise in Europa zu unterstützen.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung anlässlich der Berliner Geberkonferenz bekannte Gates, dadurch ein sozialerer Mensch geworden zu sein. Im AMA auf Reddit bedauerte er, keine Fremdsprachen zu beherrschen. Zumindest Französisch möchte er im Alter noch lernen, während er unentwegt weitere Projekte verfolgt, etwa im Energiesektor, in dem er innovative Ansätze auf der staatlichen Seite vermisst. Viele Inspirationen für seine Projekte holt sich Bill Gates aus dem Werk von Vaclav Smil, dessen Buch Should We Eat Meat? in der aktuellen Debatte auch von Gates empfohlen wird.

Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs trat Gates Anfang 2000 den Rückzug an. Zunächst gab er die Position als Chief Executive Officer an seinen langjährigen Freund Steve Ballmer ab. Offiziell verabschiedete er sich im September 2007, im Juni 2008 zog sich der damals 53-Jährige dann fast ganz aus dem Software-Konzern zurück. Seither nimmt er nur noch als Aufsichtsratsvorsitzender Einfluss. Der 60-Jährige lebt mit seiner Frau und drei Kindern in einem High-Tech-Anwesen in der Nähe von Seattle. Aktuell wird Gates' Vermögen auf 79,2 Milliarden Dollar geschätzt. Der Großteil davon solle einmal der Gesellschaft zugutekommen, erklärte Melinda Gates in einem Interview. (Mit Material der dpa) / (vbr)