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Bill Gates zur 5G-Debatte: "Huawei objektiv beurteilen"

Auf einer Konferenz in New York plädiert der Microsoft-Gründer für mehr Transparenz und weniger Paranoia in der Huawei-Debatte.

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(Bild: dpa, Etienne Llaurent/Archiv)

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Microsoft-Gründer Bill Gates hat sich im Hinblick auf die politische Debatte über die Beteiligung des Netzausrüsters Huawei am Aufbau der 5G-Netze für neutrale Kontrollen ausgesprochen. "Wie alle Güter und Dienstleistungen sollte auch Huawei einer objektiven Überprüfung unterzogen werden", sagte Gates am Mittwoch auf einer Veranstaltung der New York Times. "Davon auszugehen, dass alles schlecht ist, was aus China kommt, ist ein ziemlich verrückter Ansatz, wenn man von Innovationen profitieren will."

Gates sprach sich für einen weniger "paranoiden" Umgang mit chinesischer Technologie aus und empfiehlt mehr Offenheit und Kontrolle. "Wir wurden gefragt, ob Windows irgendwelche NSA-Dinge eingebaut hat", erinnerte sich Gates. "Also gaben wir den Regierungen den Windows-Quellcode. Wir haben Transparenz hergestellt, wodurch sie sich besser fühlten. Und Huawei kann das genau so machen." Das ist der Weg, den die Bundesregierung eingeschlagen hat, und den auch Huawei mitgehen will – zumindest hat das Unternehmensgründer Ren Zhengfei zuletzt bekräftigt.

Huawei steht international unter Druck. Die US-Regierung hat den chinesischen Technologieriesen wegen bisher unbewiesener Spionagevorwürfe auf eine schwarze Liste gesetzt. US-Unternehmen dürfen daher keine Geschäfte mit dem Konzern machen – unter anderem sind davon Google-Lizenzen für Huaweis Android-Smartphones betroffen. Die Regulierungsbehörde FCC will den Einsatz von Huawei-Hardware in US-Netzen verbieten. Zugleich drängt die US-Regierung ihre Bündnispartner, einen ähnlich harten Kurs gegen das chinesische Unternehmen zu fahren.

In Deutschland wird die Debatte vor allem im Hinblick auf Sicherheitsbedenken gegen die Beteiligung Huaweis am Aufbau der 5G-Netze geführt. Während die Bundesregierung bisher dem auch von Gates bevorzugten Ansatz der unabhängigen Kontrolle folgt, mehren sich in der Politik die Stimmen für einen grundsätzlichen Ausschluss des Unternehmens vom 5G-Ausbau. Auch Ericsson und Nokia können Hardware für die Mobilfunknetze der nächsten Generation liefern, jedoch warnen Netzbetreiber vor höheren Kosten und längeren Ausbauzeiten, sollte Huawei der Bannstrahl treffen.

Der Microsoft-Gründer warnt vor einer Misstrauensspirale. Wenn sich Hochtechnologieländer gegenseitig nicht vertrauen, sei das zum Nachteil aller. "Wie wollen wir den Chinesen ein Flugzeugtriebwerk verkaufen", meint Gates. "In so einem Triebwerk steckt jede Menge Software." Da könne man sich auch fragen, ob es nicht einen geheimen Kill-Switch gebe. "Und was ist mit chinesischen Mitarbeitern? Wenn man so paranoid ist, was ist mit Code der von jemandem mit chinesischen Vorfahren programmiert wird? Man sollte objektive Maßstäbe anlegen." (vbr)