Corona-Schnelltests: Bosch und Biotech-Firma Qiagen sind vorne mit dabei

Der Wettlauf um einen Corona-Schnelltest ist in vollem Gange. Automatisierte Verfahren haben Bosch und Qiagen entwickelt.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 82 Beiträge

(Bild: Qiagen)

Update Stand:
Von

Das Bosch-Tochterunternehmen Bosch Healthcare Solutions hat zusammen mit der nordirischen Medizintechnik-Firma Randox Laboratories einen COVID-19-Schnelltest entwickelt. Damit sollen Analyseergebnisse innerhalb von zweieinhalb Stunden vorliegen, teilt Bosch mit. Üblicherweise müssen Patienten ein bis zwei Tage oder sogar länger darauf warten, ob sie das Coronavirus SARS-CoV-2 in sich tragen.

Der molekulardiagnostische Schnelltest von Bosch läuft vollautomatisiert ab. Die Probe aus Nase oder Rachen des Patienten kann direkt vor Ort der klinischen Behandlung entnommen werden. Das medizinische Personal gibt die Probe in eine Kartusche, die bereits alle nötigen Reagenzien für den Test enthält. Die Kartusche wird in das Analysegerät Vivalytic eingeführt, das Bosch Healthcare Solutions bereits seit längerem als universelle Plattform für die Molekulardiagnostik anbietet. Das Analysegerät soll sich so einfach bedienen lassen, dass auch nicht speziell geschultes Medizinpersonal den Test durchführen kann. Nach Angaben von Bosch sind so bis zu zehn Tests innerhalb von 24 Stunden möglich. Neben SARS-CoV-2 lassen sich zudem neun weitere Atemwegserkrankungen wie Influenza A und B überprüfen.

Die Durchführung des Bosch-Schnelltests.

(Bild: Bosch)

In Labortests mit SARS-CoV2 lieferte der Test Bosch zufolge Ergebnisse mit einer Genauigkeit von über 95 Prozent. Der Schnelltest erfülle die Qualitätsstandards der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ab April soll er in Deutschland erhältlich sein, weitere europäische und außereuropäische Märkte sollen folgen.

Mit seinem Schnelltest steht Bosch aber nicht alleine da. Auch das Biotech-Unternehmen Qiagen hat einen molekularen Test auf den derzeit grassierenden neuen Coronavirus SARS-CoV-2 entwickelt. Wie das Unternehmen vergangene Woche mitteilte, wurde dazu ein bestehender Test auf 21 unterschiedliche Erreger von Atemwegserkrankungen um die Erkennung zweier Gene des neuen Virus erweitert. Nach klinischen Tests im Februar hat das überarbeitete Test-Panel eine CE-Zulassung erhalten und kann somit in Europa verkauft und diagnostisch verwendet werden. Das berichtet Technology Review online in "Schneller Test auf neuen Corona-Erreger kommt schnell".

Mehr zum Coronavirus:

Bei dem so genannten QIAstat-Dx SARS-CoV2-Atemwegspanel handelt es sich um ein System aus Einmal-Kartuschen mit Reagenzien und einem Analysegerät, in dem Proben in der Kartusche vervielfältigt und dann auf die unterschiedlichen Erreger analysiert werden. Der Durchlauf dauert nach Angaben von Qiagen etwa eine Stunde, anschließend werden auf einem Bildschirm die Ergebnisse ausgegeben. Laut einem Sprecher ist dies derzeit der einzige molekulare Test, der nicht nur CoV-2 bestätigen oder ausschließen kann, sondern gleichzeitig auch andere Erreger.

Zur Genauigkeit des neuen Corona-Tests lagen dem Qiagen-Sprecher nach eigener Aussage keine exakten Angaben vor. Er verwies jedoch darauf, dass er eine Sonderzulassung vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erhalten habe. Dies bedeute, dass klinische Erfahrungen mit dem Test ausgewertet und für hinreichend gut befunden wurden. Zudem verhindere die Art der Bedienung ohne viel menschliches Zutun Fehler, und mit den gentechnischen Methoden von Qiagen könne direkt nach Erbmaterial von Erregern gesucht werden statt beispielsweise nur nach Antikörpern, die als Reaktion auf sie ausgebildet werden.

[UPDATE, 26.03.2020, 11.30 Uhr] Die Meldung zum Qiagen-Schnelltest wurde mit Informationen zum Bosch-Schnelltest erweitert. jle

Mehr dazu bei Technology Review online:

(sma)