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Bislang erdähnlichster Exoplanet ist zu lebensfeindlich

Der Exoplanet mit dem bislang höchstem Wert auf dem Erdähnlichkeits-Index ESI kann höchstwahrscheinlich kein erdähnliches Leben beherbergen. Astronomen haben herausgefunden, dass sein Stern wohl jegliche Atmosphäre hinweggefegt hat.

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Künstlerische Darstellung von Kepler-438b

Künstlerische Darstellung von Kepler-438b und seines Sterns

(Bild: Mark A Garlick / University of Warwick)

Der bislang erdähnlichste Planet um einen fremden Stern könnte wegen zu starker Strahlung unbewohnbar sein. Zu diesem Ergebnis sind Astronomen der Universität von Warwick gekommen, die das System von Kepler-438b ausführlich unter die Lupe genommen haben. Dabei haben sie herausgefunden, dass sein Stern regelmäßig – alle paar Hundert Tage – sogenannten Superflares ausstößt. Diese Eruptionen seien rund zehn Mal so stark wie die stärksten auf unserer Sonne. Alleine hätten die auf den Exoplaneten wohl keinen signifikanten Einfluss, solche Phänomene seien aber oft eng mit sogenannten koronalen Masseauswürfen verbunden. Die hätten bei dieser Stärke das Potenzial, jegliche Atmosphäre des Exoplaneten hinwegzufegen und den Planeten dadurch lebensfeindlich zu machen.

Bislang gilt Kepler-438b als der erdähnlichste unter den vielen Hundert Exoplaneten, die bereits entdeckt wurden. Diese Einschätzung beruht darauf, dass er auf der Skala des Erdähnlichkeits-Indexes (ESI) auf einen Wert von 0,88 kommt, mehr als jeder andere entdeckte Exoplanet (die Erde würde hier 1 erreichen, der Mars kommt auf 0,7). Die Skala sagt jedoch noch nicht zwangsläufig etwas über die tatsächliche Möglichkeit aus, dass sich auf solchen Planeten tatsächlich erdähnliches Leben entwickeln könnte. Zwar werden für die Skala einige Faktoren – wie die Größe und die Umlaufbahn – mit denen der Erde verglichen, andere nicht weniger wichtige bleiben aber unberücksichtigt. Das unterstreichen die neuen Forschungsergebnisse.

Kepler-438b war im Januar als der bislang erdähnlichste Exoplanet vorgestellt worden. Er ist etwas größer als die Erde und mit großer Wahrscheinlichkeit ein Gesteinsplanet. Entdeckt worden war er mithilfe des Weltraumteleskops Kepler, das charakteristische Helligkeitsschwankungen von Sternen sucht, die auf einen vorüberziehenden Planeten hinweisen. In diesem Fall umkreist der damals so vielversprechende Himmelskörper einen roten Zwergstern, der kleiner und kühler ist als die Sonne. Der Orbit ist deutlich kleiner als der der Erde, so dass Kepler-438b in der habitablen Zone liegt, in der Wasser auf der Planetenoberfläche flüssig sein könnte.

Sollte Kepler-438b ein Magnetfeld haben, wäre er vor den Auswirkungen der immensen Eruptionen zumindest etwas geschützt, schreiben die Forscher noch. Aber ohne oder mit nur einer sehr dünnen Atmosphäre, wäre die Oberfläche starker UV- und Röntgenstrahlung ausgesetzt. Das würde eine Entwicklung von erdähnlichem Leben zusätzlich erschweren oder unmöglich machen.

Verifizierung von Exoplaneten (10 Bilder)

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(mho)