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BitTorrent wieder an der Spitze der Upload-Statistik

Jahrelang schienen Streaming-Anbieter das Filesharing zu verdrängen. Laut einer Auswertung des Netzwerkdienstleisters Sandvine kehrt BitTorrent jetzt zurück.

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Netzwerkkabel

(Bild: dpa, Matthias Balk)

Der Netzwerkausstatter und Anbieter von Technik zum Filtern und Verwalten von Netzwerkverkehr Sandvine hat ausgewertet, woraus der Verkehr im Internet besteht. Die Ergebnisse sind im Global Internet Phenomena Report zusammengefasst. Nach einigen Angaben fehlen aussagekräftige Daten über China und Indien, sodass vor allem die Auswertungen für Amerika und Europa von Interesse sind.

Wenig überraschend: Für 58% des weltweiten Downstreams sind Videos verantwortlich. 15% kommen allein von Netflix. Auf den Erfolg von Streaming-Anbietern wie Netflix wurde lange der Rückgang von Filesharing urheberrechtlich geschützter Werke zurückgeführt. Wer für überschaubare monatliche Kosten ein großes Film- und Serienangebot legal nutzen konnte, musste nicht auf illegale alternativen zurückgreifen.

Sandvine hat jetzt ausgerechnet, dass das Filesharing-Protokoll BitTorrent für 22% des weltweiten Upstreams verantwortlich sei. In Europa und dem Mittleren Osten sogar für 31% – damit Spitzenreiter weit vor Google (9,42%) oder YouTube (4,09%). Nicht berücksichtigt ist hier der Verkehr, der über VPNs abgewickelt wird. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Sandvines Marketing-Chef tut das in einem Blogbeitrag und stellt die These auf, dass die Streaming-Anbieter selbst für diese Zunahme verantwortlich seien. Wegen der vielen Exklusivtitel, die die Kunden an das jeweilige Angebot binden sollen, sei es für begeisterte Serienkonsumenten mit hohen Kosten verbunden, alle Angebote legal zu sehen. Kunden seien maximal bereit, ein Abo bei einem oder zwei Anbietern abzuschließen. Für weitere Serien und Filme greifen viele zu illegalen Inhalten.

Ein anderes Problem könne der Fokus auf den US-Markt darstellen. Wenn Serien zuerst in den USA verfügbar seien, griffen viele zur illegalen Version, um die Folgen zu sehen – auch, um der Spoilergefahr zu entgehen. Für diese These spricht die Beobachtung, dass BitTorrent in Nord- und Südamerika nur 9,21% des Upstreams ausmacht.

Neben den Aussagen zum Filesharing enthält der Internet Phenomena Report weitere interessante Erkenntnisse. So sei ein Zuwachs der Online-Spiele zu beobachten. Über 51% der weltweiten Spiele-Verbindungen kommen von League of Legends.

Das Unternehmen Sandvine veröffentlicht die Zahlen dabei nicht uneigennützig. Die Produkte können von Netzbetreibern dazu eingesetzt werden, Internetverkehr unterschiedlich zu behandeln – das Gebot der Netzneutralität ist nicht im Interesse des Unternehmens. (jam)