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Bitcoin-Börse in Abwärtsspirale: "Mt. Gox has left the building"

Die technischen Probleme sind nicht behoben, die Kunden werden immer noch nicht ausgezahlt – und nun wechselt Mt. Gox auch noch den Betriebssitz in Tokyo. Die Spekulationen über das nahe Ende der Bitcoin-Börse schießen ins Kraut.

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Die ehemals bedeutendste Bitcoin-Börse Mt. Gox hat offenbar nicht nur mit der Abwicklung von Abhebungen zu kämpfen: Laut einer Mitteilung vom Donnerstag sah sich das Unternehmen wegen „Sicherheitsproblemen“ gezwungen, ein neues Domizil in Tokio beziehen. Deshalb sei auch die Arbeit an einer Lösung für die Transaction-Malleability-Schwachstelle, die Mt. Gox zu einer Sperre aller Bitcoin-Abhebungen veranlasst hatte, noch nicht vorangekommen.

Anfang der Woche hatte Mt. Gox noch angekündigt, die Sperre für Bitcoin-Abhebungen bald wieder aufzuheben – das scheint nun wieder hinfällig zu sein. Die anhaltenden Probleme der Börse haben auf jeden Fall zu einem spektakulären Kursrutsch geführt, hinter dem wohl eine ausgewachsene Verkaufspanik stehen dürfte: Inzwischen liegt der Bitcoinkurs an der Börse bei knapp 135 US-Dollar, womit Mt. Gox in krassem Unterschied zu anderen Handelsplätzen steht. Bei Bitstamp wird ein Coin aktuell mit knapp 600 US-Dollar gehandelt. Vor wenigen Wochen lag der Kurs auf Mt. Gox noch bei über 900 US-Dollar.

Den sowieso schon kursierenden Gerüchten über eine bevorstehende Pleite der Börse gibt das Verhalten der Betreiber noch zusätzliche Nahrung. Die Einschätzungen der Bitcoin-Community auf die jüngste Mitteilung schwankt etwa in den ausufernden Reddit-Threads zwischen "unfassbare Inkompetenz“ und "Diebe auf der Flucht“.

Demonstranten vor dem vermutlich ehemaligen Betriebssitz von Mt. Gox wollen endlich ihre Bitcoins sehen.

(Bild:  http://www.mtgoxprotest.com/ )

Erst vor wenigen Tagen hatten sogar vereinzelte Demonstranten vor dem Firmensitz Stellung bezogen, die ihre Mahnwache in einem Blog dokumentieren. Laut Bericht von The Verge hat einer von Ihnen noch rund 250 Bitcoins auf der Börse geparkt und fordert ihre Herausgabe. Ob der Wechsel des Gebäudes mit dieser unerwünschten Aufmerksamkeit zusammenhängt, ist unklar. Gegenüber dem Wall Street Journal hatte Mt.-Gox-Chef Mark Karpeles vor wenigen Tagen noch jeglichen Kommentar zur Solvenz seines Unternehmens verweigert.

Hinter den technischen Problemen von Mt. Gox steht eine seit 2011 bekannte Lücke im Bitcoin-Protokoll, die vor allem die selbstimplementierten Abbuchungssysteme betrifft, wie sie etwa bei Börsen zum Einsatz kommen. Betrüger könnten die Lücke sogar ausnutzen, um etwa Börsenbetreiber dazu zu bringen, Buchungen mehrfach anzuweisen. Bei Mt. Gox ist dies unbekannten Angreifern offenbar gelungen, wie Beobachter vermuten, wobei sich die Betreiber dazu bislang nicht zu eventuellen Verlusten äußerten.

Kurz nachdem Mt. Gox vor rund zwei Wochen seine Abhebungssperre mitgeteilt hatte, starteten die gleichen Angreifer oder Nachahmer Überlastungsangriffe auf praktisch alle wichtigen Handelsplätze für Bitcoins. Die anderen betroffenen Börsen stellten darauf zur Sicherheit auch ihre Abhebungen ein, sind inzwischen aber mit Ausnahme von Mt. Gox wieder in den normalen Betrieb übergegangen. Mitglieder des Bitcoin-Kernentwicklerteams kündigten die zügige Arbeit an einem Fix für das Bitcoin-Protokoll an.

Generell sorgte Mt. Gox durch mangelhafte Abwicklung des Börsenbetriebs schon mehrfach für Kursabstürze. Zahlreiche Nutzer klagen seit längerem über wochenlange Verzögerungen bei Abhebungen in normalen Währungen oder bei der Identitätsprüfung, die für eine Kontoeröffnung nötig ist. Wie es mit Mt. Gox weitergeht und wann die auf ihr Geld wartenden Kunden bedient werden, ist zur Stunde noch völlig offen. In ihrer Mitteilung gaben die Betreiber keinen konkreten Zeitpunkt an, wann sie sich wieder zu Wort melden wollen. (axk)

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