Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto: Hacker will Mail-Account gekapert haben

Ist diesmal jemand dem rätselhaften Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto auf die Spur gekommen? Ein Hacker behauptet, dessen Mail-Account gehackt zu haben – inklusive persönlicher Informationen, die ihn enttarnen.

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Ein Hacker will den Mail-Account des geheimnisumwitterten Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto gekapert haben und bietet für Geld dessen Enttarnung an. In einem Posting auf Pastebin wird unter Angabe einer Zieladresse die Zahlung von 25 Bitcoins gefordert (aktuell rund 9000 Euro), um persönliche Informationen über die Person zu erhalten. Zur Stunde ist die Summe dort noch nicht eingegangen.

Satoshi warnt Satoshi: Eine Botschaft an den Bitcoin-Erfinder über dessen gehackten Account.

Über die Mailadresse ist offenbar auch Nakamotos Account im Forum der P2P-Foundation in die Hände des Hackers gelangt. Darüber wurde eine Botschaft an die Person Nakamotos veröffentlicht, dass dessen persönliche Daten, Passworte und IP-Adresse nun im Darknet verscherbelt würden. Der Bitcoinerfinder habe offenbar bei der Nutzung des Anonymisierungsdienstes TOR geschlampt, so dass 2010 beim E-Mail-Verkehr die IP-Adresse geleakt sei, heißt es dort. Die Botschaft schließt mit der Warnung, dass Nakamoto seinen jetzigen Aufenthaltsort besser verlassen sollte. Ebenfalls kam es zu einem inzwischen wieder entfernten Defacement einer alten Bitcoinentwickler-Seite auf Sourceforge.

"Buttcoin is a peer to peer butt": Defacement der Source-Forge-Seite.

Wired hat laut ihrem Bericht Kontakt zu dem mutmaßlichen Hacker gehabt. Unter dem Namen "Jeffrey“ soll der Täter gegenüber dem Magazin geäußert haben: "Der Trottel hat eine Gmx-Adresse mit vollem Namen genutzt und Mail-Aliase darunter eingerichtet. Außerdem lebt er noch.“ Auf weitere Fragen, etwa wie er die Kontrolle über den Account gewonnen haben will, ging er dem Bericht nach nicht ein.

Für eine Kompromittierung der Mail-Adresse spricht in jedem Fall auch, dass der Bitcoin-Kernentwickler Peter Todd berichtet, er habe überraschend alte Mails von 2011 von der Mail-Adresse weitergeleitet bekommen. Michael Marquardt, einer der Hauptmoderatoren im wichtigen Forum Bitcointalk.org, gab an, eine unsignierte Mail von der Adresse erhalten zu haben. Allerdings ist keineswegs ausgemacht, dass der gekaperte Mail-Account tatsächlich die identifizierenden Informationen enthält, die der Hacker verspricht.

Nach wie vor ist die Identität Nakamotos unbekannt und bietet immer wieder Anlass für Spekulationen. Die Person hinter dem Namen hat sich 2011 von der Entwicklung der Kryptowährung zurückgezogen und seitdem auch nicht offenbart. Mit anderen an der Bitcoin-Entwicklung Beteiligten soll Nakamoto nur digital und unter erheblichem Einsatz von Verschlüsselungs- und Anonymisierungstechnik kommuniziert haben.

Im März dieses Jahres behauptete das US-Magazin Newsweek, dem Rätsel auf die Schliche gekommen zu sein, und präsentierte Dorian Nakamoto, einen 64-jährigen Kalifornier japanischer Abstammung als Bitcoin-Erfinder. Der zurückgezogen lebende Rentner bestritt jedoch jede Verbindung mit Bitcoin, zugleich konnte der Bericht nur schwache Indizien für seine These vorlegen. Vom nunmehr gekaperten Nakamoto-Account im P2P-Foundation-Forum gab es damals das Posting dazu: "I am not Dorian Nakamoto.“

Für die Zukunft des Bitcoin dürfte eine Enttarnung der fast mythischen Gründerfigur wohl keine Konsequenzen haben – die Weiterentwicklung läuft seit dem Rückzug 2011 ohne ihn (oder sie). Aber der Person hinter dem Pseudonym könnte das doch reichlich unerwünschte Aufmerksamkeit verschaffen. (axk)