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Bitcoin Gold: Weitere Kryptowährung spaltet sich vom Bitcoin ab

Schon wieder trennt sich ein neues Kryptogeld-Projekt vom Urvater Bitcoin – Bitcoin Gold will das Mining mit Grafikkarte wieder möglich machen. Zum Start gab es einen DDoS-Angriff auf die Seite des Projekts.

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Bitcoin

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Mit Bitcoin Gold hat sich am Dienstag eine weitere Kryptowährung vom Bitcoin abgespalten. Die Besonderheit dieses Coins, der seit Block 491.407 auf einer getrennten Blockchain weiterlaufen soll: Der Hashingalgorithmus für das Mining soll Grafikkarten-freundlich sein – und die beim Bitcoin dominierende ASIC-Technik zugleich ausschließen. Dafür setzt man auf Equihash, der auch bei der Währung Zcash zum Einsatz kommt, anstelle von SHA 256. Die Macher wollen laut eigener Aussage das Mining, das fast nur noch in großen Rechnerfarmen betrieben wird, wieder dezentralisieren und für private Nutzer zugänglich machen.

Bislang hat die Abspaltung aber noch keinen eigenen Block erzeugt, fertige Wallets, Blockexplorer und andere Tracking-Tools gibt es offenbar auch noch nicht. Es soll wohl noch bis zum November dauern, bis man soweit ist. Zur Stunde ist nicht mal die Seite des Projekts erreichbar, da sie offenbar zum Start per DDoS aus dem Netz geschossen wurde. Die Macher von Bitcoin Gold vermeldeten via Twitter 10 Millionen Anfragen an die Server pro Minute, wer dahinter steht, ist unklar. Der Angriff sei aber schon wieder vorbei.

Für Bitcoinbesitzer heißt die neue Währung zunächst mal: Neues Geld. Denn Bitcoin Gold und Bitcoin teilen über die Blockchain eine gemeinsame Historie, genau bis zu dem Punkt der Trennung. Wer also vor der Trennung Bitcoins besessen hat, kann nun auch die gleiche Menge Bitcoin Gold für sich geltend machen. Gleiche Anzahl Münzen bedeutet aber nicht gleichen Wert: Die Preisfindung der neuen Währung wird sich wie üblich daran bestimmen, wieviel an den Kryptogeldbörsen, die die Währung führen, dafür gezahlt wird.

Um an seine Bitcoin Gold zu gelangen, benötigt man die privaten Schlüssel, die man in einer der kommenden Wallets hinterlegen muss, die Bitcoin Gold unterstützen. Wer Bitcoins bei Diensten ohne lokale Schlüsselverwaltung gelagert hat – etwa auf einer Börsenwallet –, hängt von seinem Anbieter ab. Bitcoin.de zum Beispiel hat angekündigt, alle Vorbereitungen für die Spiegelung der Guthaben auf Bitcoin Gold getroffen zu haben. Abhebungen werden aber erst möglich sein, sobald Bitcoin Gold auch eigene Blöcke erzeugt, in denen Transaktionen verarbeitet werden.

Andere Börsen wie Kraken bieten keine Unterstützung an. Die US-Börse Bittrex wies gar auf zahlreiche Mängel hin, etwa zuwenig öffentlich zugänglichen Code, das Fehlen eines Replay-Schutzes, mangelnde Testkapazitäten und unbekannte Entwickler. "Bitcoin Gold entspricht nicht unseren Kriterien für die Sicherheit unserer Nutzer“, hieß es von der Börse. Der US-Anbieter Coinbase äußerte sich ähnlich.

Ein weiterer Unterschied zum Bitcoin: Die Schwierigkeit der Mining-Berechnung soll nach jedem Block auf die versammelte Minerleistung angepasst werden statt wie beim Bitcoin rund alle zwei Wochen. Die Geldmenge ist wie beim Bitcoin auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Bevor es mit dem öffentlichen Mining losgeht, haben sich die Macher Berichten zufolge eine Premining-Phase vorgeschaltet, bei der sie bereits Blöcke generieren und die Belohnung dafür einstreichen können.

Hinter Bitcoin Gold steht laut Medienberichten und Foreneinträgen unter anderem der Unternehmer Jack Liao, der Chef der Hongkonger Firma Lightning Asic ist, die Mining-Hardware anbietet. Es mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, dass Liao so ein Projekt unterstützt – allerdings finden sich bei Lightning Asic nicht nur ASIC-Geräte sondern auch teure GPU-Miner. Der Hauptentwickler verbirgt sich hinter einem Pseudonym namens h4x3rotab.

Wie genau ein grafikkartenfreundlicher Hashingalgorithmus allein verhindern soll, dass sich die großen Profi-Miner einfach massiv mit Grafikkartenrigs ausstatten und wieder die Privatleute das Nachsehen haben, bleibt unklar. Bei der Kryptowährung Ethereum bemühen sich die Entwickler zum Beispiel eher darum, den Ausstieg aus dem stromintensiven Mining vorzubereiten. So soll in ungenannter Zukunft ein Proof-of-Stake genanntes Verfahren zum Einsatz kommen: direkter Kryptogeldeinsatz, bei dem die Höhe des Einsatzes die Chance bestimmt, einen Block eintragen und die Belohnung dafür einstreichen zu dürfen. Aber auch hier mussten die Entwickler ihren Zeitplan beim jüngsten Update namens Byzantium nach hinten korrigieren.

Im August hatte sich bereits Bitcoin Cash vom Bitcoin abgespalten und läuft nun auf einer unabhängigen Blockchain weiter. Der Coin erlaubt 8 Mbyte große Blöcke in der Blockchain, deutlich mehr als beim Bitcoin. Bitcoin Cash startete recht erfolgreich und konnte Ende August Kurse von über 700 Euro erreichen sowie auch bei der Hashrate dem großen Bruder Miner abspenstig machen. Inzwischen ist der Kurs aber in leisem Sinkflug, die meisten Miner scheinen auch wieder den Bitcoin als lohnenswerter zu erachten.

Beim Bitcoin hat sich es damit aber längst nicht ausgeforkt: Teil zwei des Kompromisses für das Protokollupdate Segwit 2x steht Mitte November an. Nachdem bereits die Erweiterung Segregated Witness eingeführt wurde, soll in einem Update die Größe der Datenblöcke von einem auf zwei Mbyte erhöht werden. Das ist nicht abwärtskompatibel zu älterer Clientsoftware, es könnte also eine weitere abgespaltene Blockchain entstehen. Der Kompromiss beruht vor allem auf einer Einigung der wichtigsten Unternehmen und Miner der Szene, die Entwickler des Referenzclients Core opponieren hingegen heftig dagegen. Eine weitere Aufspaltung wäre da nicht unwahrscheinlich. (axk)

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