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Bitcoin-Konferenz in Deutschland: Anonymität und E-Commerce

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Von den kryptischen Zahlenreihen der Bitcoins sollte man sich nicht täuschen lassen: Anonym sind die Zahlungen im dezentralen Peer-to-Peer-Netzwerk von Bitcoin nicht, wie Dominic Breuker und Malte Möser von der Universität Münster in ihrem Vortrag "Von Pseudonymität und Anonymität – kann man Bitcoins zurückverfolgen?“ am Dienstag auf der Bitcoin-Konferenz in Köln berichteten.

Wichtig dabei ist es, sich den Unterschied zwischen Pseudonymität und Anonymität vor Augen zu halten: Innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes lässt sich jede Transaktion eindeutig einer aus 27 bis 34 Zeichen bestehenden Adresse zuordnen. Wenn die reale Person dahinter öffentlich wird, liegen die Zahlungen für jedermann einsehbar offen da. Als Beispiel führte Breuker eine nur scheinbar anonyme Spendenaktion von Wikileaks an. Mit einem recht hohen Aufwand kann man außerdem Nutzer und ihre Transaktionen deanonymisieren, wenn Informationen zu ihnen im Netzwerk verfügbar sind, wie Möser ergänzte. Er beschäftigt sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit mit Möglichkeiten einer forensischen Analyse des Bitcoin Netzwerks.

Aber er zeigte auch, dass man die Herkunft von Bitcoins mithilfe von "Bitcoin-Mixern" effektiv verschleiern kann. Hierfür hat er drei Anbieter getestet, von denen zwei (Blockchain.info und Bitcoin Fog) die Beziehung zwischen Sender und Empfänger erfolgreich verschleiern. "Die Mixer funktionieren so, dass mehrere Nutzer Geld in den Mixer einzahlen und der Mixer die Bitcoins in unterschiedlicher Reihenfolge wieder an die Nutzer auszahlt", erklärt Möser. So hat also beispielsweise am Ende Person 1 den Bitcoin, der vorher Person 2 gehört hat, und Person 3 den von Person 1. "So wird die Verbindung im Transaktionsgraphen verschleiert, so dass keine Deanonymisierung mehr möglich ist", sagt Möser. Somit wäre also eine Geldwäsche im Bitcoin-Netzwerk möglich. Deshalb werden Strafverfolgungsbehörden in der nächsten Zeit sicher auch Bitcoins auf ihre Agenda schreiben, so die Vermutung.

Ein weiteres gewichtiges Thema bei der Konferenz waren Bitcoin-Transaktionen aus der Sicht eines Online-Händlers. Dazu sprach unter anderem Jochen Siegert, Geschäftsführer der Online-Spiele-Plattform Bigpoint, die rund 200 Paymentverfahren anbietet. Vor vier Wochen hatte man dort Bitcoins implementiert, vor allem weil es als von vornherein international angelegtes Payment-System das "protektionistische Gehabe" vieler Länder vermeidet. Als Beispiel nannte er Brasilien, das seit einiger Zeit Kreditkartentransaktionen von ausländischen Händlern ohne Verbindung zu lokalen Kreditkartenanbietern ablehnt.

Ein Problem sieht er in der fehlenden Nutzerfreundlichkeit, die sicher auch ein Grund für die geringe Zahl von Kunden ist, die bislang eine Zahlung mit der neuen digitalen Währung gewagt haben: Bislang konnte er nämlich erst zehn Bitcoin-Transaktionen seit Implementierung vor vier Wochen zählen. „Da ist noch was drin“, so sein trockener Kommentar. (axk)

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