Bitcoin: Kurssturz vor Halbierung der Miner-Belohnung

So mancher in der Kryptogeldszene erwartet, dass die bald halbierte Belohnung für Miner den Bitcoinpreis hochtreibt. Am Wochenende ging es erstmal nach unten.

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(Bild: mk1one/Shutterstock.com)

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Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin ist unmittelbar vor der Halbierung der Vergütung für einen errechneten Block – dem "Halving" – deutlich eingebrochen. Nachdem der Kurs zunächst in der Nacht zum Freitag kurzzeitig die Schwelle von 10.000 US-Dollar überschritten hatte, trennten sich am Wochenende viele Investoren von ihren Bitcoin-Beständen, was zu einem regelrechten Crash führte. Der Tiefstwert am Wochenende lag im Börsendurchschnitt bei 8500 Dollar. Am Montag pendelte sich der Kurs bei etwas über 8600 Dollar ein.

Berichten von Fachdiensten nach sei es ein rasanter Kurssturz gewesen, der am Samstagabend binnen zehn Minuten ablief. Auch andere Kryptowährungen wie Ethereum wurden davon in Mitleidenschaft gezogen, ebenso der Handel mit Futures auf Bitcoin. Mitte März 2020 war der Bitcoin zwischenzeitlich noch unter die Schwelle von 5000 Dollar gefallen und hatte seitdem rasant zugelegt.

Beim "Halving" wird etwa alle vier Jahre (alle 210.000 Blöcke in der Blockchain) die Belohnung in Form neuer Bitcoins für das sogenannte Mining halbiert. In diesem Fall wird die Belohnung für das erfolgreiche Eintragen eines neuen Blocks von derzeit 12,5 auf 6,25 Bitcoin sinken, umgerechnet derzeit rund 49.000 Euro. Über den rechenintensiven Prozess des Minings werden der Bitcoin-Blockchain neue Blöcke hinzugefügt.

Diese Halbierung hat zur Folge, dass das Angebot an neuen Bitcoins immer langsamer wächst, bis irgendwann die festgelegte Geldmenge von 21 Millionen Bitcoins erreicht ist. Derzeit sind bereits mehr als 18,3 Millionen Bitcoin erzeugt worden, also rund 87 Prozent der geplanten Geldmenge. An die Stelle der frisch geschöpften Bitcoins als Miner-Subvention sollen dann mehr und mehr die Transaktionsgebühren treten, die ein erfolgreicher Miner bereits auch jetzt schon für alle in seinem Block eingetragenen Zahlungen einstreichen darf.

Das nächste und insgesamt dritte Halving-Event seit Bestehen des Bitcoin steht in der heutigen Montagnacht an, zum Zeitpunkt dieses Artikels sind noch etwas über 60 Blöcke zu erzeugen.

In der Kryptogeldszene wird die Änderung heiß diskutiert. Manche Stimmen erwarten langfristig erhebliche Preissteigerungen, weil das sinkende Angebot die digitalen Münzen wertvoller mache – und raten zur Investition. Anstiege gab es auch bei den bisherigen Halving-Events in den Jahren 2012 und 2016. Andere warnten – offenbar nicht zu Unrecht – vor einem "Sell-the-news"-Ereignis, bei dem Investoren die Stimmung im Vorfeld zum Kassemachen ausnutzen.

Interessant dürfte auch sein, wie die Miner mit der Halbierung umgehen. Ohne signifikante Kursgewinne dürfte es schwierig werden, mit faktisch halbiertem Einkommen Rechenzentren voller ASIC-Maschinen fürs Bitcoinmining weiterhin profitabel zu betreiben.

Laut Zahlen des Kryptogelddienstes Blockchain.info macht die Belohnung nach wie vor den Löwenanteil des Einkommens für die Miner aus. Im Mai zum Beispiel waren es demnach täglich Werte zwischen 17 Millionen und 20 Millionen US-Dollar, die umgerechnet an die Miner flossen. Davon entfielen nur zwischen einer halben Million und einer Million US-Dollar auf Transaktionsgebühren – der Rest waren frische Bitcoins für die erfolgreichen Miner. Aktuell liegt die Hashing-Leistung des Netzwerks nach kurzem Einbruch im März wieder auf hohem Stand. Ob das so bleibt, wird sich zeigen. (Mit Material der dpa) /

(axk)