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Bitcoin-Mining in China: Regierungskommission schlägt Verbot vor

Noch findet ein erheblicher Teil des Kryptogeldminings in China statt. Doch eine Regierungskommission hat nun ein Verbot angeregt.

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Bitcoin Coin

(Bild: dpa, Ina Fassbender)

Das Kryptogeld-Mining ist schon seit längerem wegen des hohen Strombedarfs in der Kritik. Nun erwägt Chinas Regierung offenbar, der Schürferei einen Riegel vorzuschieben. So hat die zur Zentralregierung gehörige Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform einen Entwurf zur nationalen Industriepolitik vorgelegt, der Kryptogeld-Mining zu den auszusondernden Branchen zählt. Der am Montag vorgelegte Entwurf steht noch bis zum 7. Mai zur öffentlichen Konsultation, wie die South China Morning Post schreibt. Ob und wann eine tatsächliche Umsetzung folgen könnte, ist noch offen.

Eine Einstufung als aussonderungswürdig erfolgt dem Zeitungsbericht nach dann, wenn ein Industriezweig zum Beispiel als besonders umweltschädlich oder energieverschwendend gesehen wird. Kredite oder Investitionen in solche Firmen sind dann untersagt, Behörden können die Strompreise für Unternehmen hochschrauben. Ebenso können dann die Herstellung, Nutzung und der Verkauf von Produkten der Branche verboten werden.

Bitcoin-Mining dient dazu, das Recht zur Eintragung eines neuen Datenblocks in die Blockchain zu verteilen. Die dazu abgestellten Rechner müssen ein Hashwertpuzzle lösen, dessen Schwierigkeit sich regelmäßig auf die gesamte zum Mining abgestellte Computerleistung anpasst. Der jeweilige Gewinner erzeugt einen Block und kann sich dafür die Transaktionsgebühren der im Block enthaltenen Zahlungen sowie frische Bitcoins gutschreiben. Schon seit Jahren lohnt sich Mining beim Bitcoin und zahlreichen anderen Kryptowährungen nur noch mit teurer, anwendungsspezifischer Hardware (ASIC). Die wird dann im großen Stil in Mining-Farmen zum Einsatz gebracht – vorzugsweise an Standorten, wo der Strom besonders günstig ist.

Bislang dominiert China das Mining, vor allem dank der günstigen Energie. Zum Jahreswechsel 2018 kamen Schätzungen zufolge rund zwei Drittel der weltweiten Hashingleistung für den Bitcoin von dort. Die größten Mining-Pools, also Rechnerverbünde, in denen sich Miner zusammenschließen, sowie mit Bitmain der größte Mining-Hardware-Hersteller sind ebenfalls in China beheimatet. Sollte der Entwurf der Kommission umgesetzt werden, wären die Zeiten chinesischer Vorherrschaft zweifellos vorbei.

Ein Untergangsszenario für Kryptowährungen wäre ein Mining-Bann in China aber nicht. Bereits 2018 hatten chinesische Behörden mit einer schärferen Gangart gegen Miner begonnen. Darauf hatten sich erste Betreiber andere Ecken der Welt mit günstigen Strompreisen für ihre Schürfzentren gesucht – etwa in Kanada, Nordamerika, Skandinavien, Island oder auch der Mongolei. Im Falle Islands gingen regionale Energieversorger sogar schon davon aus, dass die zugezogenen Kryptogeld-Miner bald mehr Strom als alle Einwohner verbrauchen könnten.

Ein Verbot würde dann den endgültigen Exodus aus China bedeuten. Das Mining wäre damit stärker dezentralisiert – was manche Akteure in der Kryptogeldszene sogar begrüßen dürften. Welche Auswirkungen ein Durchgreifen Chinas auf den Markt für Mining-Hardware hätte, bleibt abzuwarten.

Insgesamt scheint die Nachricht für keine größeren Schockwellen in der Kryptogeldcommunity gesorgt zu haben. Der seit vergangener Woche wieder ansteigende Preis des Bitcoins und anderer Kryptowährungen hat nach Bekanntwerden des Regulierungsentwurfs nur leicht nachgegeben und klettert wieder. Derzeit liegt der Bitcoinkurs bei rund 5270 US-Dollar, ein Ether aktuell bei 180 US-Dollar. (axk)