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Bitcoin-Mining in Eigenbau-Rechenzentren mit Billigstrom

Eine kleine Firma füllt nahe dem Columbia River im Nordwesten der USA leere Fabrikhallen mit Spezial-Hardware zum Schürfen des Kryptogelds Bitcoin. Auch in China laufen Bitcoin-"Minen".

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Platinen mit Bitfury-ASICs in einem Mining-System von MegaBigPower.com.

(Bild: MegaBigPower)

Mit maßgeschneiderten Geschäftsmodellen versuchen Startup-Firmen, Bitcoins zu errechnen und in echtes Geld zu verwandeln. In besonders großem Maßstab geht das US-Unternehmen MegaBigPower.com vor. Firmenchef David Carlson hat in Wenatchee im US-Bundesstaat Wahsington bereits drei Fabrikhallen mit Spezial-Hardware von Bitfury gefüllt. Über 500 Tera-Hashes pro Sekunde (500 TH) leisten die nach Medienberichten auf Stahlregalen aufgereihten "Mining Rigs". Der Standort Wenatchee ist bewusst gewählt, denn der Ort liegt am Columbia River. Laufwasserkraftwerke liefern Strom zu Preisen an 2,4 US-Cent pro Kilowattstunde.

Zu den Investoren in MegaBigPower.com gehören die Firmen Coinseed und die auf den Marshall-Inseln registrierte Firma Picostocks von Maciej Kaźmierczyk und Dr. Leszek Rychlewski aus dem polnischen Poznan. Picostocks erklärt in einem detaillierten Geschäftsplan (PDF-Datei) die Idee: Mehrere Geldgeber finanzieren die Hardware, die derzeit mehrere Prozentpunkte der gesamten weltweit verfügbaren Bitcoin-Mining-Rechenkraft ausmacht.

Komo 4 News berichtet über MegaBigPower.com in Wenatchee, WA.

Die Rechenleistung wird vermietet (Minining-as-a-Service sozusagen), als Gebühr wird ein Bitcoin-Anteil eingenommen. Die hohe Investitionskraft wiederum soll den Zugriff auf stets die jüngsten und effizientesten Mining-ASICs sichern, also die Entwicklungen von Firmen wie Bitfury, Butterflylabs, Kncminer oder CoinTerra. Letztere meldete kürzlich, für 6 Prozent der gesamten Bitcoin-Rechenleistung verantwortlich zu sein.

Mining-Rechenleistung kann man sich auch bei anderen Anbietern mieten, etwa bei Butterlylabs für 10,83 US-Dollar pro GH. In Asien schließen sich derweil Investoren zusammen und bauen kleinere Mining-Rechenzentren auf. Manche nutzen besondere technische Lösungen, um möglichst viele Systeme auf engem Raum unterzubringen, etwa eine Hydrofluorether-Flüssigkühlung.

Unterdessen versuchen auch Hardware-Hersteller, die vom Rückgang der PC-Verkaufszahlen gebeutelt sind, vom Bitcoin-Goldrausch zu profitieren. Asrock hat Spezial-Mainboards für sechs PCIe-Karten im Angebot.

Biostar BTC-24GH: "Mainboard" mit 64 Mining-Chips.

(Bild: Biostar)

Biostar kündigt ein stapelbares "Mainboard" an, das aber direkt mit je 64 Mining-ASICs bestückt ist. Das BTC-24GH soll 24 GH liefern und braucht dazu eine 12-Volt-Versorgung mit 11 Ampere Belastbarkeit, also 132 Watt. Das entspricht einem relativen Leistungsbedarf von 5,5 Watt pro Gigahash/s, während die (schon vor der Auslieferung ausverkaufte) PCIe-Karte Cointerra GSX I mit 28-nm-GoldStrike-ASIC nur etwas mehr als 1 Watt pro GH benötigen soll. Damit ist abzusehen, dass sich das BTC-24GH kaum wirtschaftlich betreiben lässt. (ciw)