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Bitcoin: Schwächelnder Kurs und sinkende Hashrate

Weiter geht der Abwärtstrend beim Bitcoin: Die Preise unter 4000 US-Dollar sorgen auch für Druck auf die Miner – für manche lohnt das Schürfen nicht mehr.

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Bitcoin

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Der Sinkflug von Digitalwährungen wie Bitcoin setzt sich fort. Bereits am Sonntag fiel der Kurs für einen Bitcoin unter die Marke von 4000 US-Dollar. Auf der bekannten Handelsplattform Bitstamp wurden im Tief 3474 Dollar erreicht – so wenig wie letztmalig im September 2017. Der vom Online-Dienst Coinmarketcap ermittelte Marktpreis liegt derzeit rund 3680 US-Dollar. Auch andere Digitalwährungen wie Ripple oder Ether waren am Sonntag erneut eingebrochen, konnten sich zum Wochenstart aber etwas erholen.

Die Bilanz von Digitalwährungen in diesem Jahr ist ernüchternd. Seit seinem Rekordhoch, das der Bitcoin im Dezember 2017 bei 20.000 Dollar erreicht hatte, hat die älteste und bekannteste Kryptowährung mehr als 80 Prozent ihres Werts verloren. Allein seit Mitte November betragen die Verluste etwa 40 Prozent. Der Marktwert aller rund 2000 Kryptowährungen ist seit dem Boom um mehr als 700 Milliarden Dollar auf aktuell knapp 130 Milliarden Dollar eingebrochen.

Die sinkenden Preise sind aber nicht nur ein Dämpfer für Spekulanten oder Späteinsteiger in die Kryptowährungen: Auch immer mehr Miner können offenbar nicht mehr gewinnbringend Rechenleistung für das Schürfen nach Bitcoins bereitstellen. Betroffen sind Berichten nach vor allem kleinere Betreiber, die ihre Rechner abschalten oder die Schürferei ganz aufgeben müssen.

Bis August des Jahres ging es praktisch nur bergauf in Sachen Miningkapazität, wie Zahlen des Dienstes Blockchain.info zeigen. Auch Anfang Oktober wurden im Netzwerk noch Spitzenwerte von über 60.000 Petahash/s erzielt. Seitdem führt der Weg Schritt für Schritt nach unten und liegt derzeit bei rund 42.000 Petahash/s. Zugleich sind Blockchain.info nach die Einnahmen der Miner seit Anfang des Jahres im konstanten Sinkflug.

Mao Shixing, Chef des aktuell drittgrößten Mining-Pools F2Pool, geht gegenüber der Fachseite Coindesk davon aus, dass derzeit vor allem ältere Mining-Maschinen vom Netz genommen werden. Das seien Modelle wie etwa der Antminer T9+ von Bitmain und der AvalonMiner 741 von Canaan Creative. Er schätzt, dass seit Mitte November rund 600.000 bis 800.000 der ASIC-basierten Rechner von ihren Besitzern abgeschaltet wurden, weil sie nur noch Verluste bringen.

Shixing sieht neben dem Preisverfall des Bitcoins auch einen saisonalen Anstieg der Stromkosten in China als Grund. Trotz zunehmend schärferer Regulierung ist das Land bislang dank niedriger Strompreise ein Mekka für Kryptogeldschürfer. Ein zusätzlicher Faktor sei der zunehmende Einsatz neuer Gerätegenerationen, die mehr Leistung bei höherer Effizienz gebracht hätten. Im seit lange andauernden Wettrüsten der Miner veralten die Geräte schnell, einen Nutzen außer der Hashwert-Berechnungen hat so ein obsoleter Spezialrechner nicht.

Die Schwierigkeit der Miningberechnung wird ungefähr alle 14 Tage an die versammelte Rechenkapazität angepasst. Geht die Leistung weiter runter, könnte es sich mit angepasster Schwierigkeit also auch bald lohnen, die alten Geräte doch wieder schürfen zu lassen.

Zunehmender Druck auf die Miner kann den allgemeinen Abwärtstrend beim Bitcoinpreis aber auch weiter beschleunigen. Wenn die Betreiber gezwungen sind, mehr ihrer Schürfbelohnung und ihrer Coin-Rücklagen für Deckung ihrer Fixkosten zu verkaufen, sorgt das für zusätzlichen Druck in einem an sich schon nervösen Marktumfeld. Eine weitere Bewegung nach unten dürfte wohl auch die anderen Kryptowährungen in die Tiefe ziehen.

Der allgemeine Abwärtstrend bei den Kryptowährungen wurde den meisten Beobachtern nach vor allem durch den Hard Fork des Bitcoin-Konkurrenten Bitcoin Cash ausgelöst, bei dem sich verfeindete Lager mit harten Bandagen angingen. Der Fork lief recht glimpflich ab, was an der derzeitigen Korrektur nach unten aber wenig ändert. (axk)

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