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Bitcoin, die trügerische Anlage-Alternative?

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Die Digitalwährung Bitcoin knackt alle Rekorde. In dieser Woche kletterte der Kurs erstmals über die Marke von 1000 US-Dollar. Der rasante Anstieg deutet darauf hin, welch kuriose Blüten der Anlagenotstand in Zeiten rekordniedriger Zinsen rund um den Globus treibt. Doch an der Zukunftsfähigkeit von Bitcoin scheiden sich weiter die Geister. Was ist der Idee vom freien Geld, das unabhängig von Regierungen, Zentralbanken und Kreditinstituten funktioniert, noch zuzutrauen?

Die Warnungen vor einer Spekulationsblase reißen nicht ab. "Sie könnten genauso gut auf jeden Pennystock setzen, denn auch Bitcoins haben keine Chance, jemals zu einer umfangreich verwendeten Währung zu werden", schreibt die Commerzbank ihren Kunden.

Solche Unkenrufe begleiten die Bitcoin-Community allerdings schon von Anfang an – bislang konnte sie trotzdem nicht gestoppt werden. Nach jedem Absturz dauerte es nicht lange, bis sich der Kurs wieder berappelte und zu neuen Höhenflügen ansetzte. Das liegt auch daran, dass der Kursanstieg auch im Design der verteilten Währung begründet liegt. Durch die feste Begrenzung der maximal möglichen Bitcoin-Menge auf 21 Millionen ergibt sich zwangsläufig, dass eine einzelne Münze relativ viel Wert sein muss, sobald das Transaktionsvolumen steigt. Je beliebter Bitcoin also wird, desto mehr wird der Kurs nach oben gehen.

Bitcoin-Kursentwicklung der letzten 48 Stunden

(Bild: bitcoin.de)

Dennoch scheinen es nach wie vor Zocker zu sein, die den Bitcoin-Kurs nach oben treiben. Für die Funktion als Zahlungsmittel ist die unberechenbare Kursentwicklung nicht förderlich. Zwar kann man im Internet mittlerweile alles Mögliche, vom Ferienhaus auf Mallorca bis zum Notebook mit Bitcoins bezahlen, doch rechtfertigt das den exorbitanten Preisanstieg von 13 auf mehr als 1000 Dollar im Jahresverlauf? Die Gründe für die atemberaubende Entwicklung liegen laut Experten eher in der verzweifelten Suche nach renditeträchtigen Anlagen und Misstrauen gegenüber dem vom Billiggeld abhängigen Finanzsystem.

In Krisenländern wie Argentinien, Zypern, Griechenland oder Spanien werde nach Alternativen für etablierte Währungen gesucht, stellt Analyst Ali Farid Khwaja von der Berenberg Bank fest. "Das legt nahe, dass Bitcoins sich ähnlich wie Gold zu einem Wertspeicher bei Krisen, Hyperinflation oder exzessivem Gelddrucken entwickeln könnten.

Sparer haben derzeit viele Gründe, um ihr Geld zu fürchten: Zentralbanken halten die Zinsen so niedrig wie nie und denken sogar laut über Strafgebühren auf Bankeinlagen nach. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat kürzlich in einer Studie Gedankenspiele für eine Zwangsabgabe auf große Vermögen aufgegriffen.

Ob das Ersparte aber ausgerechnet in Bitcoins sicher angelegt ist? Sobald ein paar große Akteure verkaufen, könnte der Markt nervös werden. "Wer das Platzen einer Blase beobachten will, sollte den Bitcoin gut im Auge behalten", warnt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Das große Banken, quasi die Personifizierung des Status Quo im Finanzsystem, das denken, ist nicht weiter verwunderlich. Anders sehen das Akteure wie die 2003 gegründete Fidor Bank. Diese ist mittlerweile als Kooperationspartner des Marktplatzes bitcon.de in das Geschäft mit der virtuellen Währung eingestiegen.

Mehr zum Thema Bitcoin, eine Erklärung der Funktionsweise der digitalen Währung und einen Test von Spezialhardware zum Minen von Bitcoins finden Sie in c't 25/13:

(fab)