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Bitcoin im Sinkflug: Schwächeanfall auf dem Weg in den Mainstream

Fast 50 Prozent Kursverlust in 60 Tagen – was ist schon wieder mit dem Bitcoin los? Die digitale Währung, vor der Finanzaufseher wegen heftiger Kursschwankungen warnen, ist in der Krise. Oder doch nicht?

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Die Digitalwährung Bitcoin schwächelt heftig – zumindest, was den Kursverlauf angeht. In den vergangenen zwei Monaten hat sich ihr Wert fast halbiert. Am Wochenende fiel der Preis pro Coin erstmals seit Ende 2013 unter 300 Dollar, liegt inzwischen aber schon wieder auf 340 US-Dollar. Davon lässt sich die Anhängerschaft aber nicht aus der Ruhe bringen.

"Das ist nur eine Momentaufnahme, es wird rasch wieder nach oben gehen“, meint Nick Spanos. Er ist einer der Gründer des Bitcoin Centers, einer Info- und Lobbyeinrichtung im New Yorker Finanzdistrikt. "Ich habe jeden Tag mit Leuten von Goldman Sachs und anderen Investmentbanken zu tun, die sich für Bitcoins interessieren.“

Aktuell mit Tendenz zur Talfahrt: Die Entwicklung des Bitcoinpreises in US-Dollar

(Bild: blockchain.info)

Als Lobbyist muss Spanos versuchen, Zweifel an der Krypto-Währung zu zerstreuen. Andere Beobachter sind weniger optimistisch. "Erinnert sich noch jemand an Bitcoins? Es geht ihnen schrecklich“, kommentierte das Wirtschafts-Blog Business Insider am Wochenende. „Charts können nicht hässlicher aussehen“, lästerte er über den Kursverlauf seit Juli. Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman meldete prinzipielle Zweifel an: "Bitcoins werden als technisches Wunderwerk verkauft. Und in der Tat lösen sie ein interessantes Informationsproblem – aber ob diese Lösung auch einen ökonomischen Wert hat, ist völlig unklar.“

Wo steht das Projekt des freien Geldes, das unabhängig von Staaten, Zentral- und Geschäftsbanken funktioniert, nun wirklich? "Die Leute stellen fest, dass Bitcoins zwar geeignet sind, den Zahlungsverkehr effizienter zu machen, aber nicht die großen Währungen wie den Dollar ablösen werden“, sagt Steven Englander, Chefstratege der Citigroup-Devisenabteilung, der Nachrichtenagentur dpa.

Crash-Theoretiker, die Absicherung gegen einen System-Kollaps suchen, verlassen laut Englander den Markt. Ob das auch für die Spekulanten gilt, ist eine ganz andere Frage: Das überaus turbulente letzte Handelswochenende war vor allem durch einen massiven Verkaufsversuch von 30.000 Bitcoins auf der Börse Bitstamp gekennzeichnet – ungefähr dem Doppelten des täglichen Volumens auf der Börse. Wie das Wall Street Journal berichtet, wurde die Verkaufsorder zwar später annulliert, sorgte jedoch für massive Fluchtbewegungen. Beobachter vermuten den Manipulationsversuchs eines großen Players am Markt.

Explosives Wachstum sieht anders aus: Die Zahl der täglichen Bitcoin-Transaktionen.

(Bild: blockchain.info)

Über die Gründe für den derzeitigen Tendenz zum Preisverfall wird zahlreich spekuliert. Sind es die Early Adopter, die jetzt aussteigen? Ist es die Angst vor staatlichen Regulierungen? Manche sehen auch die Händlerakzeptanz als Problem: So wickeln Bezahldienstleister wie Bitpay oder Coinbase für Händler die Bitcoinakzeptanz ab und tauschen ihnen die eingegangenen Bitcoins täglich in normale Währungen um. Je mehr Händler das nutzen und Bitcoinumsätze generieren, desto mehr Bitcoins werden jeden Tag auf den Wechselmarkt geworfen.

Der andere Faktor könnten die Miner sein, also jene Leute, die ihre immer teurere Spezialtechnik auf Basis von ASICS um die Wette die kryptografische Aufgabe rechnen lassen, die zur Verarbeitung von Bitcoin-Transaktionen nötig ist. Wer Erfolg hat, bekommt aktuell 25 Bitcoins Belohnung. Aber davon lassen sich die hohen Stromkosten, die die Mininghardware erzeugt, nicht begleichen – weshalb der Wechsel in andere Währungen nötig wird. Auch von dieser Seite könnte also Verkaufsdruck kommen. Und die Nachfrage nach den digitalen Münzen ist offenbar nicht so stark gewachsen, um all das aufzufangen.

Ein Bitcoinautomat des Herstellers Lamassu

(Bild: Lamassu)

Dennoch wächst und gedeiht die Infrastruktur des virtuellen Geldprojekts – vor allem jenseits des großen Teichs: Automaten, an denen Bitcoins mit etablierten Währungen wie Euro oder US-Dollar gekauft werden können, verbreiten sich rasant. Mittlerweile gibt es etwa 20 Firmen, die sogenannte Bitcoin-ATM herstellen. Über 120 davon finden sich inzwischen weltweit. Eine der Maschinen steht im Lifestyleladen "Flat128" im schicken New Yorker West Village. Das Geschäft läuft super, sagt Besitzerin Elizabeth DuBois: "Pro Tag wird der Automat etwa 10 bis 20 Mal genutzt.“

Die Unternehmen der Branche sind derzeit von einer Krise weit entfernt. Der Fachdienst Coindesk zählt bislang allein für 2014 rund 227 Millionen US-Dollar an Risikokapital für Kryptogeld-Startups. Die auf virtuelle Geldbörsen spezialisierte Firma Blockchain schloss am Wochenende mit 30 Millionen US-Dollar eine der bislang größten Finanzierungsrunde der Szene ab. Die Kollegen von Coinbase wiederum haben die bekannten Silicon-Valley-Finanziers Andreessen Horowitz im Rücken, die bereits bei Facebook oder Pinterest richtig lagen.

Coinbase arbeitet mit Paypals Sparte BrainTree zusammen, um Bitcoins als Zahlungsmittel zu integrieren. Damit könnte sich die Tür zur boomenden Sharing Economy für die digitale Währung weit öffnen – denn Braintree wickelt den Geldverkehr ab für Trendfirmen wie den Bettenvermittler Airbnb, den Fahrdienst Uber oder den Restaurant-Reservierer OpenTable. Und mit den Konkurrenten Bitpay und GoCoin gehört Coinbase auch zu den Partnern, die mit Paypal bei seinem eigenen Test in Sachen Kryptogeld-Akzeptanz zusammenarbeiten. (axk)