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Bitkom: PRISM-Spähskandal erschüttert Vertrauen der Internetnutzer

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Der PRISM-Überwachungsskandal hat einer aktuellen Studie zufolge in Deutschland das Vertrauen der Internetnutzer deutlich einbrechen lassen. Die Zahlen seien ein Alarmsignal, sagte Dieter Kempf, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom. Kempf forderte eine rasche politische Aufklärung. Je länger die sich hinziehe, umso größer werde der Vertrauensverlust.

Wenn es um den Umgang mit persönlichen Daten im Netz geht, vertrauen der Umfrage zufolge 58 Prozent der Internetnutzer Staat und Behörden wenig oder überhaupt nicht. Vor zwei Jahren hätten noch mehr als die Hälfte der Befragten starkes oder sehr starkes Vertrauen in staatliche Stellen gehabt, heute seien es nur noch rund ein Drittel (34 Prozent). Gar kein Vertrauen haben demnach 20 Prozent der Befragten, zwei Jahre zuvor seien es noch 11 Prozent gewesen.

Besonders deutlich werde diese Veränderung beim Blick auf jene, die ihre persönlichen Daten insgesamt für völlig unsicher halten, sagte Kempf. Vor zwei Jahren waren das 12 Prozent der Nutzer, dieser Wert hat sich mit 27 Prozent nun mehr als verdoppelt. Auch Unternehmen würden skeptischer beurteilt. Die Umfrage hat der Bitkom beim Meinungsforschungsinstitut Aris in Auftrag gegeben, das 1014 Internetnutzer ab 14 Jahren telefonisch befragte. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Internetnutzer in Deutschland.

Die Verunsicherung der Nutzer könne sich mittelfristig negativ auf die gesamte Wirtschaft auswirken, befürchtet Kempf. Es sei ein gesellschaftliches Manko, wenn die Menschen etwa mit dem Verzicht auf Cloud- und E-Mail-Dienste reagierten. "Wir sorgen uns vor allem, weil eine Volkswirtschaft, die in puncto IT einen Gang zurückschaltet, zwangsläufig an Wettbewerbsfähigkeit verliert."

Der Bitkom erneuerte angesichts der Umfrage seine Forderung nach Aufklärung und Transparenz. So sollte es Unternehmen erlaubt sein, zumindest anonymisierte Daten über Anfragen von Geheimdiensten zu veröffentlichen. Auch Vereinbarungen über die Zusammenarbeit der Geheimdienste seien nötig. Der Schutz vor Ausspähung dürfe nicht allein den Unternehmen aufgebürdet werden, forderte der Wirtschaftsverband. (jk)

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