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Bitkom fordert Einrichtung einer zentralen staatlichen Stelle für Geodaten

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Geoinformationsdaten haben Hochkonjunktur: Ob Handy-Navigationssystem, Google Earth oder im Internet abrufbare 3D-Stadtmodelle – immer häufiger werden detaillierte Standort-Informationen für neue Dienstleistungsangebote genutzt. Map24 beispielsweise verknüpft seinen Internet-Pkw-Routenplaner neuerdings mit der Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn und ermöglicht so einen direkten Reisezeiten-Vergleich für unterschiedliche Transportmittel. Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia ist dabei, jedes Wissensartefakt mit Geo-Koordinaten zu versehen – wer im Besitz eines PDAs oder eines Mobiltelefons mit Satellitennavigations-Unterstützung ist, soll künftig herausfinden können, welches freie Wissen und welche Geschichte sich mit dem Ort verbindet, an dem man sich aufhält.

Laut einer vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) in Auftrag gegebenen Studie wird der Markt für Geodaten allein in Deutschland im Jahr 2008 ein Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro erreichen; das Arbeitsmarktpotenzial in diesem Bereich schätzen die Studienverfasser auf etwa 14.000 neue Stellen. Dennoch bleibt das Markt- und Arbeitsplatzpotenzial für Geoinformationen nach Einschätzung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) aber seit Jahren weit hinter den Erwartungen zurück. Hemmschuh sei vor allem eine mangelnde Transparenz zwischen Bund, Ländern und Kommunen, weshalb die Privatwirtschaft damit begonnen habe, selbst Geodaten zu erfassen, obwohl diese Daten oft in den Behörden vorliegen würden.

Dadurch entstehe ein zunehmender "Wildwuchs an individuellen, nicht standardisierten Datenbeständen, Medien und Qualitäten", erläutert Siegfried Wenzel, Mitglied des Bitkom-Hauptvorstands. Als Folge könnten die Daten kaum reibungslos und medienbruchfrei ausgetauscht werden. Möglichen Anwendern würden viele Informationen nicht bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt – oder nur dank spezieller, teurer technischer Zusatzlösungen. Bitkom fordert deshalb die Einrichtung einer zentralen staatlichen Stelle für Geoinformationsdaten.

"Unternehmen brauchen in Deutschland heute oft detektivisches Gespür, um herauszufinden, bei welcher Behörde welche geografischen Daten liegen", führt Wenzel aus. "Zudem unterscheiden sich die Daten oft sehr stark in Qualität, Aktualität und ihren Bezugsbedingungen. Dies erschwert die elektronische Weiterverarbeitung enorm." Eine Lösung für dieses Dilemma ist nach Bitkom-Ansicht die Gründung einer deutschen Geo-Clearing-Stelle, die diese Daten zentral und Bundesländer übergreifend koordiniert, den Zugang zu amtlichen Geobasisdaten gewährleistet, regelt und standardisiert.

"Die Geobasisdaten sollen auf allen staatlichen Ebenen einheitlich erhoben und – inklusive der Nutzungsbedingungen – einheitlich und kostenlos bereit gestellt werden", fordert Wenzel. Die Geo-Clearing-Stelle wäre dann der zentrale Partner der Erzeuger und Nutzer von Geodaten. Sie würde auch darüber informieren, welche Geoinformationen verfügbar sind, und stelle die Qualität, Aktualität, Vollständigkeit und Verfügbarkeit der Daten sicher. (pmz)

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