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Bitkom sieht neuen Rekord: 124.000 offene Stellen für ITler

Der IT-Branchenverband Bitkom schlägt Alarm: Seine Arbeitsmarktstudie habe eine neue Höchstmarke an unbesetzten IT-Jobs zu Tage gefördert.

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(Bild: And-One / shutterstock.com)

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Der IT-Branchenverband Bitkom sieht einen neuen Rekord bei offenen Stellen für IT-Experten erreicht: 124.000 Jobs sollen demnach unbesetzt sein. Das sei eine Steigerung um 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in dem der Verband noch rund 82.000 offene Stellen gezählt hatte. Innerhalb von zwei Jahren sei es sogar mehr als eine Verdopplung, rechnet der Bitkom vor.

Grundlage der Zahlen ist eine Befragung von mehr als 850 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in Unternehmen ab drei Mitarbeitern aus allen Branchen. Die Umfrage sei laut Bitkom repräsentativ für die Gesamtwirtschaft in Deutschland. Demnach würden 83 Prozent der befragten Unternehmen angeben, dass sie einen Mangel an IT-Spezialisten auf dem Markt erleben. Zwei Drittel erwarteten eine zunehmende Verschärfung des Mangels in den kommenden Jahren.

"Der Mangel an IT-Experten betrifft längst nicht mehr nur die IT-Branche, sondern die gesamte Wirtschaft und auch Verwaltung, Behörden und Wissenschaft.", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. Das bedrohe die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Im Schnitt seien IT-Jobs sechs Monate unbesetzt. 40 Prozent der Unternehmen führten an, dass die Besetzung solcher Stellen länger dauere als bei anderen Jobs, bei 18 Prozent auch länger als ein halbes Jahr. 51 Prozent sahen aber keinen Unterschied. Besonders begehrte Fachkräfte seien Software-Entwickler: 32 Prozent der Unternehmen mit einer offenen IT-Stelle suche Programmierer, darauf folgten IT-Anwendungsbetreuer (18 Prozent), Data Scientists (13 Prozent), IT-Projektmanager (12 Prozent).

Die Probleme bei der Besetzung könnten sich aber auch daraus begründen, dass die Unternehmen nicht die Fachkraft zu dem Preis bekommen, den sie gerne hätten: So beklagten 72 Prozent der Unternehmen zu hohe Gehaltsforderungen der Bewerber, 52 Prozent meinten, die Forderungen entsprächen nicht der Qualifikation. 41 Prozent der Firmen berichteten von allgemein fehlenden Qualifikationen der Bewerber, 32 Prozent von mangelnden Softskills und schlechten Ergebnissen bei Auswahltests. 20 Prozent sahen mangelnde Bereitschaft zu Umzügen und Dienstreisen.

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"IT-Experten können sich bei entsprechender Qualifikation ihren Job fast schon frei aussuchen", sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. Andererseits könnte man die Zahlen des Verbands vielleicht auch so lesen, dass Unternehmen zu wenig Flexibilität dabei zeigen, ihre Anforderungen gegebenenfalls herunterzuschrauben.

Der Bitkom empfiehlt den darbenden Unternehmen jedenfalls, ihre Ansprache von Bewerbern anzupassen. Bewerbung per Mappe oder E-Mail sollte nicht das Maß der Dinge sein. "Um sich ein Bild von einem Software-Entwickler zu machen, hilft ein ausgedrucktes Anschreiben mit Zeugnissen und Arbeitsproben wenig. Eine knappe Mail mit Links zu erfolgreichen Projekten und deren Quellcode auf entsprechenden Plattformen ist da viel aussagekräftiger", sagte Berg.

Eine Mehrheit der Unternehmen gehe auch bereits davon aus, dass künftig aktive Ansprache von geeigneten Kandidaten an Bedeutung gewinnen werde. Das könnte die Suche über Business-Netzwerke sein, aber auch Hochschulkooperationen, Recruiting-Messen und der Einsatz von Headhuntern. Klassische Kanäle wie die Stellenanzeige in Zeitungen und Magazinen verlören an Bedeutung.

Generell müsse aber auch die Politik aktiv werden, um den grassierenden Fachkräftemangel einzuhegen, findet der Bitkom. Es sollten mehr junge Menschen und insbesondere auch Frauen für ein entsprechendes Studium oder eine Ausbildung begeistert werden. Informatik müsse flächendeckend Pflichtfach an Schulen werden. Außerdem brauche es neue Bildungsangebote, die schnell aktuelles Wissen vermittelten und zu "Nanodegrees oder Mikrozertifikaten" führten. Auch das Arbeitsrecht müsse überarbeitet werden, damit die Arbeit mit IT-Freelancern sowie deren Übernahme in Festanstellung nicht unnötig erschwert werden. Und nicht zuletzt brauche es auch mehr qualifizierte Zuwanderung.

(axk)