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Black Hat: Cyber-Kriminelle wollen mit der Mafia nichts zu tun haben

Sieben Jahre lang hat ein Oxford-Professor Beziehungen zwischen klassischer organisierter Kriminalität und Cybercrime untersucht – mit überraschendem Ergebnis.

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Black Hat: Cyber-Kriminelle wollen mit der Mafia nichts zu tun haben

Klassische organisierte Kriminalität und Cybercrime haben weniger Überschneidungspunkte, als man denken könnte.

(Bild: Pixabay )

Die Mafia ist dort, wo sie Geld verdienen kann – diese Binsenweisheit ist zumindest im Fall von Cybercrime nicht haltbar. Eine Studie der Universität Oxford beleuchtet den sonst so schattigen Teil des Internets und kommt zu dem Schluss, dass Online-Kriminelle nichts mit dem organisierten Verbrechen zu tun haben – und sich zum Schutz vor Verhaftung lieber Politiker und Strafverfolger kaufen.

Sieben Jahre lang untersuchte Jonathan Lusthaus, Leiter des Human Cybercriminal Project der soziologischen Fakultät an der Oxford University, die Rolle des organisierten Verbrechens im Zusammenhang mit Cybercrime. Wie er während eines Vortrags auf der Black-Hat-Konferenz in Las Vegas erläuterte, führte er unter anderem knapp 240 Interviews mit Strafverfolgern, ehemaligen Cyber-Kriminellen und anderen Insidern in 20 Ländern – unter anderem in Russland, der Ukraine, Nigeria oder China.

Der Forscher kommt zu dem Schluss, dass die Mafia zwar hin und wieder Cyber-Kriminellen durch Hilfe oder Anleitung unter die Arme greift, der Großteil der Kriminellen im digitalen Untergrund jedoch nicht dem Milieu des organisierten Verbrechens entstammt. Stattdessen stellen sie nach Meinung von , Lusthaus eine neue Gruppe krimineller Unternehmer dar. Daher wollen sich viele Online-Verbrecher auch nicht dauerhaft mit der Mafia einlassen. Vielmehr arbeitet man laut Lusthaus, der die Ergebnisse auch in einem Whitepaper zusammen gefasst hat, immer nur kurz und nur dann zusammen, wenn es gar nicht anders geht.

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Es könne also keine Rede davon sein, dass das Online-Verbrechen fest in der Hand der Mafia ist, betont der Forscher. Mafia-Vertreter sähen in den IT-Nerds lediglich leicht zu melkende Cash Cows. Die aber notwendig sind, da es in den Mafia-Strukturen an Programmierkenntnissen mangelt.

Der Forscher machte mehrere Arten der Zusammenarbeit zwischen Mafiosi und Cyber-Kriminellen aus. Selten übernimmt die Mafia den Schutz von Cybercrime-Gangs, beispielsweise vor Rivalen; Lusthaus war selbst überrascht, dass es hierfür nur sehr wenige Beispiele gibt.

Gelegentlich liefert die Mafia die Anschubfinanzierung für ein neues Cybercrime-Projekt, um damit beispielsweise Zulieferer zu bezahlen oder Ausrüstung anzuschaffen. Häufiger ist die Mafia Dienstleister für weit verzweigte Organisationen. Hierbei kümmert sich das organisierte Verbrechen beispielsweise um Money Mules, also die Zuarbeiter, die sich geklautes Geld aufs eigene Konto überweisen lassen, um es dann in bar an die Kriminellen durchzureichen. Hier könne die Mafia ihre Kenntnisse ausspielen, da sie weiß, wie man Geld wäscht und zudem hinreichend Kleinkriminelle in ihren Reihen hat, die die Geldtransporte an beliebigen Orten der Erde erledigen können.

Am häufigsten komme es vor, dass die Offline-Kollegen der Mafia auf Cyber-Kriminelle zurück greifen, um beispielsweise Drogen an Zollkontrolleuren vorbei zu schleusen, Alarmsysteme per Hack außer Gefecht zu setzen oder kompromittierende Informationen über Rivalen zusammenzutragen. Dass Cyber-Kriminelle so selten Schutz bei der Mafia einkaufen, hat laut Lusthaus einen guten Grund: Korrupte Politiker und Strafverfolger sind in deutlich besseren Positionen, um den kriminellen Hackern das zu ersparen, was sie am meisten fürchten: eine Haftstrafe. (fab)

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