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Black Hawk als pilotenfreier Lastenhubschrauber

Autonom fliegende Hubschrauber in voller Größe sind der letzte Schrei bei Militärs. Sikorsky will sich an einem 30 Jahre alten Black Hawk beweisen und stellt das Projekt auf der Fachmesse Unmanned Systems vor.

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Mit mehreren Projekten wollen US-Militärs die Entwicklung unbemannter Hubschrauber vorantreiben, die viel größer sind als die derzeit üblichen Drohnen mit Rotorantrieb. Während die Militärforschungsagentur DARPA mit dem Programm VTOL X-Plane nach neuen Modellen für schnelle Flüge und mindestens 1,8 Tonnen Nutzlast strebt, geht es bei AACUS (Navy) und MURAL (Army) um Software-Sensoren für die Umrüstung vorhandener Hubschrauber. Flugzeughersteller Sikorsky will mit einem 30 Jahre alten Black Hawk mit besonders hoher Nutzlast punkten.

Ein Black Hawk im Einsatz über dem Irak.

(Bild: US Air Force)

Sikorsky hat den außer Dienst gestellten Huschrauber vom Typ UH-60A zurückgekauft und beginnt im Laufe des Monats mit der Umrüstung des Veteranen mit einem autonomen Flugsystem namens "Matrix". Damit soll der Black Hawk in die Lage versetzt werden, ohne Piloten Lasten von bis zu vier Tonnen zu transportieren, entweder im Laderaum oder als angeseilte Last. Nur Start und Landung sollen noch von Menschen unterstützt werden – mit einem Tablet vom Boden aus.

Der Flug dazwischen soll gerade in Bodennähe mit vielen Hindernissen und ohne Luftfahrtinfrastruktur möglich sein. Unter solchen Bedingungen sind Hubschrauber am Wertvollsten, dort passieren aber auch die meisten Unfälle. Die Vision, dass man "in einen Hubschrauber springt und den grünen Knopf für 'nach Hause' drückt" hat Sikorskys Vizepräsident Chris Van Buiten schon, aber: "Das wird nicht so bald geschehen", dämpfte er am Montag auf der Fachmesse Unmanned Systems in Orlando, Florida, die Hoffnungen.

Zunächst muss er die Verlässlichkeit autonomer Hubschrauber verbessern und deren Wirtschaftlichkeit beweisen. Mit derzeit üblichen Drohnen erleide man im Schnitt einmal in Tausend Flugstunden einen Totalverlust, erklärte Van Buiten und fügte hinzu: "Ein (Black Hawk) ist kein verzichtbares Inventar." Es mache auch einen Unterschied, ob eine kleine Flugdrohne oder ein Zehn-Tonnen-Heli auf den Boden knallten. Sein Ziel ist ein Verlust pro 100.000 Flugstunden. Das ist mehr als die meisten Hubschrauber in ihrem Leben geflogen werden.

Chris Van Buiten stellte auf der Unmanned Systems das Projekt vor.

(Bild: heise online/Daniel AJ Sokolov)

Das Oldtimer-Projekt soll auch dazu dienen, die Luftsicherheitsbehörde FAA sowie Militärs langsam an große Flugdrohnen zu gewöhnen. "Wir werden viel Zeit in Simulatoren verbringen", glaubt Van Buiten. Im März hatte Sikorsky sein Matrix-System bereits im Rahmen des MURAL-Programms vorgeführt. Damals kam aber ein modernerer Black Hawk, ein UH-60M Upgrade mit Fly-by-Wire, zum Einsatz.

In Zukunft will Sikorsky grundsätzlich zwei Varianten seiner Hubschrauber anbieten: "Optionally Piloted", wo also noch ein Mensch die Steuerung übernehmen kann, oder "Fully Autonomous", wo gar kein Cockpit mehr eingebaut wird. Das senke den Preis und sei sinnvoll, wenn niemals Menschen transportiert würden. "Ein rein autonomer Lastenkran" also.

Bei aktuellen, zivilen Helikoptern schwebt dem Hersteller die Einführung eines App-Businessmodells vor. So könnte man einen S-92 beispielsweise dazu programmieren, autonom zu einer ganz bestimmten Ölplattform zu fliegen, selbst wenn das Wetter scheußlich ist.

Am Entwicklungsprogramm VTOL X-Plane der DARPA beteiligen sich neben Sikorsky auch Aurora Flight Sciences, Boeing und Karem Aircraft. Ziel ist ein autonomer Hubschrauber, der eine Reisegeschwindigkeit von 555 bis 740 Stundenkilometer aufweist. Er soll 4,5 bis 5,5 Tonnen wiegen und zumindest 40 Prozent davon als Nutzlast transportieren können.

Bei AACUS der Forschungsabteilung der US Navy ist derzeit nur noch Aurora mit dabei. Sie haben sich mit einem umgerüsteten Unmanned Little Bird von Boeing gegen Lockheed Martin durchgesetzt. Letztere hatten einen K-MAX von Kaman Aerospace aufgepeppt. Aber Lockheed ist noch an der US Army dran: Noch dieses des Jahr soll der K-MAX selbsttätig einen zwei Tonnen schweren autonomen Geländetransporter (SMSS) liefern. (vbr)