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BlackBerry Live: Totgesagte leben länger...

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Das günstige Tastatur-Smartphone Q5 wird es in mehreren Farben geben.

Zwei Monate war Thorsten Heins CEO von Research in Motion, als er letztes Jahr die Hausmesse Blackberry World in Orlando eröffnete. Kapitän auf der Titanic wäre auch als Berufsbezeichnung durchgegangen. Zu schlecht sah die Lage bei den Kanadiern aus, mit einem alternden Produkt-Portfolio, dem PlayBook-Desaster und schrumpfenden Management-Team.

Ein Jahr später steht ein blendend gelaunter CEO auf der Bühne, der viel bewegt hat. Mitte letzten Jahres hatte er den Launch von BlackBerry 10 noch verschoben, weil die Plattform noch nicht gut genug war. Aber seit Anfang des Jahres überraschte das Unternehmen die Kritiker mit einem frischen Auftritt, mit zwei konkurrenzfähigen Geräten Z10 und Q10 sowie einer Architektur, die sich viele Unternehmen wünschen, die ihren Mitarbeitern eine private Nutzung geschäftlicher Smartphones ermöglichen wollen, ohne die Sicherheit der Unternehmensdaten zu gefährden. BlackBerry Balance funktioniert auch andersherum, wenn der Mitarbeiter sein privates Gerät mit zur Arbeit bringt.

BlackBerry Live (3 Bilder)

BlackBerry-Chef Thorsten Heins präsentiert den Familienzuwachs Q5, ein Einsteigermodell mit Touchscreen und Tastatur. (Bild: Volker Weber)

Das wird aktuell aber eher ein Android oder ein iPhone sein. Deshalb wird BlackBerry im Sommer den Secure Work Space auch für Android und iOS anbieten. Das Unternehmen braucht einen BlackBerry Enterprise Service 10, um diese Geräte einzubinden. Bestehende BES5-Lizenzen kann man in 2013 kostenlos umtauschen, neue Lizenzen sollen ab 59 US Dollar pro Gerät kosten, egal ob es mit BlackBerry 10, Android oder iOS läuft.

Auch der BlackBerry Messenger (BBM) kommt zunehmend unter Druck durch WhatsApp & Co. BlackBerry reagiert in zwei Richtungen. Zusätzlich zu Chat, Group Chat, Screen Sharing, Audio- und Videocalls erhält BBM im Laufe des Jahres sogenannte Channels, in denen Kunden oder Fans Unternehmen oder Künstlern folgen können. Den Anfang macht in der Betaphase das Mercedes-Petronas-Team der Formel 1. Als zweite Weiterentwicklung wird BlackBerry Clients für Android und iOS anbieten.

Die Ausweitung der BBM-Plattform auf andere Betriebssysteme verkauft BlackBerry als offensive Maßnahme. Fragt man genauer nach, dann geben Unternehmenssprecher aber durchaus zu, dass eine Messaging-Lösung auf nur einer Plattform keine Chance mehr hat. Einst war BBM ein Mittel, mehr Blackberrys zu verkaufen. Wenn sich erst mal ein Teil der Freunde auf BBM tummelten, brauchte man auch einen BlackBerry, um dabei zu sein. Das hat in einigen Märkten funktioniert; Deutschland gehört nicht dazu. Heute kehrt sich der Netzwerkeffekt um: jeder BlackBerry-User, der auf Android oder iPhone umsteigt, schwächt BBM. Dabei sind die Anwendungen und die Infrastruktur dahinter durchaus überzeugend. Wichtig ist nun, dass BlackBerry neue User gewinnt und alte halten kann.

Wenn BBM im Sommer auf Android ab ICS und iOS ab Version 6 kommt, dann wird die erste Version noch nicht alle Funktionen haben, die es auf BlackBerrys gibt. Erst zum Ende des Jahres will BlackBerry die gleichen Features auf allen unterstützten Geräten haben.

Auch die bereits verkauften BlackBerry Z10 werden ab dieser Woche mit der neuen BlackBerry 10.1-Software versehen, die auf dem Tastaturgerät Q10 schon ausgeliefert wird. Wer 10.1 installiert hat, der kann auch Skype auf seinem Smartphone installieren. Um sich weitere Märkte zu erschließen, hat BlackBerry in Orlando dazu ein weiteres Tastaturgerät mit dem Namen Q5 angekündigt, das in mehreren Farben hergestellt werden soll. Bisher ist noch nicht klar, in welchen Märkten das Q5 zu welchem Preis angeboten werden soll. Afrika, Asien, „einige europäische Märkte“ avisieren die Kanadier. Man wird sehen, wo ein preiswerterer kleiner Bruder des Q10 nachgefragt wird.

BlackBerry hat mit der Auslieferung des Updates auf Betriebssystem-Version 10.1 für das Z10 begonnen.

Von der Anmutung her wirkt das Gerät billiger als das Q10, BlackBerry nennt das frisch und jugendlich. Bemerkenswert ist die Ausstattung mit 2 GB Hauptspeicher, plus 8GB Flash und Speichererweiterung mittels SD-Karten. Das PlayBook, das mit dem Vorläufer von BlackBerry 10 läuft, hat nur 1 GByte Hauptspeicher.

Thorsten Heins gibt ausweichende Antworten, wenn man fragt, wann denn nun BlackBerry 10 auf das PlayBook kommt. Er wolle lieber in die Zukunft investieren, an die er glaube. Mobile Computing statt Smartphones und Tablets. Das PlayBook ist da nur ein alter Klotz am Bein. Auch die letztes Jahr ausgeteilten „Dev Alpha 1“ Smartphones haben die Kanadier mitterweile gegen Z10 ausgetauscht. Ein GByte ist offensichtlich nicht genug. Alle anderen neuen Geräte haben zwei.

Aus dem alten Wireless Enterprise Symposium wurde letztes Jahr einmalig BlackBerry World, ein Name den mittlerweile der App Store trägt. Dieses Jahr heißt die Veranstaltung BlackBerry Live. Und dieser Name ist Programm. Totgesagte leben länger. (vowe) / (vza)

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