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BlackBerry versemmelt den Start von BBM für Android und iPhone

Alles, nur nicht der BlackBerry Messenger

(Bild: Volker Weber)

Wie sich die Welt in einer halben Woche dreht! Am Mittwoch stellte der einst erfolgreiche kanadische Smartphone-Hersteller sein neues Top-Gerät vor. Am Donnerstag gab es Gerüchte über einen massiven Stellenabbau. Am Freitagabend, wo man traditionell schlechte Nachrichten versteckt, folgte eine Verlustwarnung: beinahe eine Milliarde Dollar muss BlackBerry wegen Überbeständen abschreiben. Die neue Gerätegeneration verkauft sich viel schlechter als vorher abgeschätzt. Und dann sollte die Woche mit einer positiven Note enden: endlich sollte der lange erwartete BlackBerry Messenger für Android und iPhone erscheinen.

Die Ansage war klar: Die Android-Version am Samstag um 13 Uhr, das iOS-Pendant am Sonntag ab Mitternacht. Die Android-Software blieb aus, statt dessen füllte sich Googles Play Store mit drei Dutzend Trittbrettfahrern, die allesamt für sich in Anspruch nahmen, der BlackBerry Messenger zu sein. Die Hersteller nannten sich etwa "Blackberry Inc." oder "New Google Software". Jeder behauptete, der Richtige zu sein. Nur das Paket von BlackBerry selbst fehlte.

Während die Android-Anwender ihren Unmut ausdrückten, bat BlackBerry um Geduld. Man sei "hart bei der Arbeit", die Software auszuliefern. Währenddessen kündigten die Kanadier an, in welchen Märkten die iPhone-Software jeweils um Mitternacht freigegeben wurde: New Zealand, Australia, Malaysia, India, United Arab Emirates. Und dann stockte auch die Auslieferung der iOS-Version. Fünf Stunden später die Nachricht, man lege eine Pause ein. BlackBerry hatte die Notbremse gezogen.

Was war passiert? Eine vorab geleakte Kopie des Messengers bereitete Probleme. Während BlackBerry an einer Lösung arbeitete, wurde diese Kopie unter den wartenden Android-Anwendern immer weiter verteilt. Twitter war voll von Links auf Dropbox und andere File Hoster. Der vom BlackBerry-Marketing ausgerufene Twitter-Hashtag #BBM4ALL erwies sich als Bumerang. Die Notbremse heißt: wer die iPhone-Software hat, kann sie weiter nutzen, die entlaufene Android-Software wird blockiert.

Auch im Scheitern sieht BlackBerry noch einen Hoffnungsschimmer. 1.1 Millionen neue BBM-User zählen die Kanadier, der Twitter-Account BBM hat mehr als 100.000 Follower gewonnen. Nun muss der Rollout der Software neu aufgestellt werden.

Was erwartet den Anwender auf Android und iOS? Eine eingeschränkte Version der Software mit Chat und Dateianhängen, Gruppenchat mit bis zu 30 Personen und eine Statusseite. Besonders stolz sind die Kanadier auf Rückmeldungen in Echtzeit: ausgelieferte Nachrichten erhalten ein D für Delivered und geöffnete Nachrichten ein R für Read. Auf einem BlackBerry gibt es zusätzlich noch kostenlose Telefonanrufe mit und ohne Videos sowie Screen Sharing. (vowe)

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