Blackberry-Ultimatum in Indien: RIM droht Blockade

Die indische Regierung beharrt darauf, von RIM Zugang zu der verschlüsselten Kommunikation mittels der Blackberry-Dienste für Unternehmen zu bekommen. RIM bleibt dabei, dass dies technisch gar nicht möglich ist, da man keinen wie immer gearteten Generalschlüssel habe.

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Von
  • Jürgen Kuri

Countdown mit ungewissem Ausgang für mehr als 1 Million Blackberry-Nutzer in Indien: Die Regierung droht laut dpa, den mobilen Smartphone-Maildienst zu sperren, wenn die Betreiber ihr bis Dienstag keine Möglichkeit zum Zugriff auf die verschlüsselte Kommunikation ermöglichen. Für den heutigen Montag ist laut einem Zeitungsbericht ein Krisengespräch im Innenministerium geplant.

Die Situation ist festgefahren. Der Blackberry-Anbieter Research In Motion beharrt darauf, zumindest für die Kommunikation mittels der in Unternehmen eingesetzten Blackberry-Geräte gar keinen Generalschlüssel zu haben, mit dem alle E-Mails mitgelesen werden könnten.

Für die Unternehmenskommunikation bietet RIM den Blackberry Enterprise Service (BES), dabei setzt jedes Unternehmen einen eigenen BES ein, der mit den Endgeräten mittels 3DES bzw. AES verschlüsselte Nachrichten austauscht. Nur das Endgerät und der BES besitzen den zugehörigen Schlüssel, sodass sich die Daten auf den Verbindungswegen hinter dem BES nicht überwachen lassen. RIM beteuert seit Jahren, dass die Firma keinen Zugriff auf diese Kommunikation hat. Anders sieht die Sache bei den Blackberry-Diensten für private Anwender aus: Beim Blackberry Internet Service (BIS) tritt RIM als Mittler zwischen Endgerät und Servern mit IETF-Standardprotokollen wie IMAP4, POP3 und SMTP auf. Die Mails treffen beim BIS im Klartext ein, wenn sie nicht bereits vorher vom Nutzer mit eigener Software verschlüsselt wurden. Der Datenverkehr zwischen BIS und Endgerät ist laut RIM unverschlüsselt, dort könnte etwa die Überwachung durch Regierungsbehörden eingreifen.

Die indische Regierung zeigt sich besorgt, dass mit Hilfe der verschlüsselten E-Mails zum Beispiel Terroristen ihre Angriffe vorbereiten könnten. Deswegen stellte sie RIM ein Ultimatum. Auch in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten droht dem Blackberry-Dienst mit ähnlicher Begründung die Abschaltung. Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass der Anbieter in Indien noch etwas mehr Zeit bekommen könnte. Zum Wochenende berichtete die indische Zeitung Business Standard, das Telekommunikationsministerium sei dafür, Research In Motion zwei Monate Aufschub zu gewähren. Der Times of India zufolge wollte sich Innenminister GK Pillai am Montag mit Vertretern des Unternehmens treffen. In den vergangenen Tagen soll es intensive Verhandlungen gegeben haben.

Die indische Regierung soll vor allem auf die Mail-Kommunikation mittels BES abheben – was RIM aber vor ein kaum zu lösendes Problem stellt: Für Research In Motion ist die Sicherheit der E-Mails ein wichtiges Argument, um Unternehmen und Regierungsbehörden als Kunden zu gewinnen; man betont immer wieder, schon prinzipbedingt keine Möglichkeit zur Überwachung des Datenverkehrs mittels BES zu haben. Bleibt es dabei, bekommt die Firma Schwierigkeiten nicht nur mit der indischen Regierung. Ginge man aber daran, durch Änderungen an der Technik Überwachungsmöglichkeiten auch für die Unternehmenskommunikation zu bieten, geht damit ein tiefgehender Vertrauensverlust bei den Kunden einher. RIM ist daher von zwei Seiten stark unter Druck: Einerseits sehen Unternehmenskunden Hintertüren zur Überwachung ihrer Kommunikation gar nicht gerne, andererseits ist Indien einer der am schnellsten wachsenden und hart umkämpften Märkte in der Branche. Blackberry hatte zu Beginn des Sommers rund 46 Millionen Kunden weltweit.

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(jk)