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Blackberry verliert erstmals Kunden

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Zum ersten Mal ist die Zahl der Blackberry-Nutzer rückläufig. Dies geht aus den Quartalszahlen des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) hervor, die am Donnerstagabend (Ortszeit) in Kanada veröffentlicht wurden.

Im dritten Quartal des laufenden Finanzjahres, das mit dem November endete, hat RIM 2,7 Milliarden US-Dollar (2,06 Milliarden Euro) umgesetzt, gut die Hälfte der Summe aus dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dank positiver steuerlicher Einmaleffekte von 128 Millionen US-Dollar konnte RIM 5 Millionen US-Dollar als Nettogewinn (3,8 Millionen Euro) verbuchen. Vor einem Jahr waren es noch 265 Millionen Dollar, im zweiten Quartal 2013 verbuchte RIM aber einen Verlust von 235 Millionen Dollar.

Die Geldreserven von RIM sind weiter angewachsen, vor allem weil mit 8,4 Millionen Stück erneut mehr Blackberrys über Ladentische gewandert sind als die 6,9 Millionen, die RIM ausgeliefert hat. Die Netzbetreiber haben also Lagerbestände veräußert und offene Rechnungen beglichen, aber weniger nachbestellt, womit RIMs Produktionskosten deutlich unter den Einnahmen lagen. Insgesamt 600 Millionen US-Dollar konnte RIM im dritten Quartal auf die hohe Kante schaffen, so dass dort nun insgesamt 2,9 Milliarden US-Dollar liegen.

RIMs Hoffnungen ruhen auf dem neuen System BB10, das am 30. Januar 2013 in Toronto vorgestellt werden soll. Dies ist aber nicht bloß eine neue Generation von Geräten und Serversoftware, sondern geht mit grundlegenden Veränderungen einher. Neben einem neuen Gebührenmodell will RIM auch beim Management größerer Handyflotten verschiedener Marken mitmischen. Zudem sprach Heins von möglichen neuen Partnerschaften, was ein Hinweis auf den bevorstehenden Einstieg eines neuen Teilhabers sein könnte.

Die aktuelle Blackberry-Krise wurde unter anderem durch einen Philosophiewandel in vielen Großunternehmen ausgelöst. Anstatt Mitarbeitern die Nutzung von Blackberrys vorzuschreiben, wird immer häufiger freigestellt, eigene Geräte zu benutzen ("Bring Your Own Device", BYOD). Dieser Trend ließ RIMs Marktanteil abrutschen – eine Not, die Heins zur Tugend machen will. Das kommende BES10-System sollen Geräte verschiedener Hersteller zentral managen. Zwar sind in dem Markt schon andere Firmen verankert, doch Heins traut sich zu, ein Stück des Kuchens zu ergattern.

Zurückgehen dürften die Einnahmen aus den profitablen Servicegebühren die RIM derzeit von den Netzbetreibern je Handy kassiert. Zukünftig soll der Endkunde auswählen, welche Leistungen sein Blackberry zur Verfügung stellen soll. Von Privatkunden, die keine Sicherheitsfunktionen wollen, gibt es dann vielleicht gar keine monatlichen Einnahmen mehr; Unternehmen, die die RIM-Server stark beanspruchen, werden wohl mehr zahlen müssen. Und wenn ein Privatkunde seinen Blackberry in das Firmennetz integriert, will RIM über den Arbeitgeber kassieren.

Diese Veränderungen bei RIM verunsichern die Analysten und großen Anleger, zumal Heins keine Details nennen wollte. Nicht nur sind die Einnahmeprognosen geheim, es ist sogar unklar, ob sich die Änderungen auch auf BB7 auswirken. Die Servicegebühren haben hohe Margen und sorgten im dritten Quartal für 36 Prozent des Gesamtumsatzes.

Im laufenden Finanzjahr wollte RIM eine Milliarde Dollar einsparen und ein Drittel der Belegschaft abbauen. Mit dem Vorhaben liegt das Unternehmen im Plan, das Sparziel konnte sogar ein Quartal früher als geplant erreicht werden. Auch die Kosten des Sparprogramms liegen deutlich unter Plan. Trotzdem hat RIM für das Finanzjahr 2014 weitere "aggressive" Kostensenkungen angekündigt. (anw)