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"Blade Runner 2049": Gelungene Rückkehr in die düstere Zukunft der 80er

Dreißig Jahre nach "Blade Runner" geht die Geschichte um die Frage, was uns zum Menschen macht, weiter. "Blade Runner 2049" knüpft nahtlos an das Original an. Die Technik ist oscar-verdächtig, die Story schwächelt bisweilen etwas.

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Filmkritik: Blade Runner 2049

(Bild: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH)

Soviel sei gleich zu Beginn gesagt: Regisseur Denis Villeneuve ("Sicario", "Arrival") ist eine würdige Fortsetzung von Ridley Scotts Original von 1982 gelungen. Der neue Film spielt dreißig Jahre nach den Ereignissen von "Blade Runner", im titelgebenden Jahr 2049. Und es ist toll, erneut mit in diese Welt genommen zu werden, in das dystopische Los Angeles einer 80er-Jahre-Zukunftsvision, in diesen beklemmenden Moloch einer Metropolis, in dem es immer dunkel ist und sich Neonlichter in schwarzen Pfützen spiegeln. Auch hier geht es immer noch um die Frage, was uns zum Menschen macht. "Blade Runner 2049" kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos.

Der Polizist "K" (Ryan Gosling) hat denselben Job wie einst Rick Deckard (Harrison Ford): Als "Blade Runner" spürt er er abtrünnige Replikanten auf und versetzt sie mit seiner Waffe "in den Ruhestand". Einige der älteren Modelle "ohne Lebenszeitbegrenzung" sind seit Jahrzehnten untergetaucht. Als er bei seinen Ermittlungen die Überreste einer lange verstorbenen Replikantin entdeckt, die nach allem Anschein vor dreißig Jahren Mutter geworden war, werden sowohl seine Vorgesetzte Lieutenant Joshi (Robin Wright) als auch der Replikanten-Produzent Niander Wallace (Jared Leto) aufmerksam.

Blade Runner 2049 (16 Bilder)

Gleiche Stadt, neues Jahr: Viel hat sich in Los Angeles seit 2019, der Zeit des ersten "Blade Runner"-Films nicht getan. Dunkelheit, Dreck, Neon.
(Bild: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH)

Auf der Suche nach dem für unmöglich gehaltenen Replikanten-Nachwuchs trifft "K" auf Dr. Ana Stelline (Carla Juri), die implantierte Erinnerungen erschafft, entspannt mit seiner Hologramm-Freundin Joi (Ana de Armas) und wird schließlich selbst von Wallaces Agentin Luv (Sylvia Hoeks) gejagt. Natürlich, das ist kein Geheimnis, führt ihn dieser Weg zu dem seit 30 Jahren verschollenen Blade Runner Rick Deckard. Damit hat Harrison Ford nach Indiana Jones 4 und Star Wars VII das Triple voll, seinen jeweiligen Protagonisten noch einmal als Vaterfigur darstellen zu dürfen.

Vieles in "Blade Runner 2049" kommt dem Zuschauer wohlbekannt vor, beginnend mit Aussehen und Klang des düsteren LA. Die dort angesiedelten Szenen fügen sich nahtlos in die Atmosphäre des Originals ein und holen mit ihrer filmischen Nostalgie hoffentlich auch diejenigen Zuschauer ab, die von Hollywoods Fortsetzeritis eher gelangweilt sind. Dabei hilft die Musik von Benjamin Wallfisch und Hans Zimmer, die sich dieselben Synthesizer wie einst Vangelis ins Studio geholt haben, dazu gelungene Computereffekte, die nie künstlich wirken.

Quelle: Alcon Entertainment, Warner Bros., Columbia Tristar

Auch die Archetypen von 1982 tauchen wieder auf: der einsame Blade Runner, die quirlige Prostituierte (Mackenzie Davis aus "Halt and Catch Fire" in den Fußstapfen von Daryl Hannah), die kühle Dame in Diensten der sinistren Firma und deren merkwürdiger, genialer Magnat. Zum Glück baut Villeneuve immer dann, wenn es zu sehr nach Klischee und Fan-Service aussieht, kleine und große Twists ein: Er entwickelt eigene Varianten der Symbolismen des Originals und erweitert die Filmrealität um neue Schauplätze wie das golden-sandige Las Vegas und die karg-automatisierte Farmlandschaft Kaliforniens, die direkt von den Bildern von Simon Stålenhag* inspiriert scheint.

Der Film wird sicher den einen oder anderen technischen Oskar abholen können, dafür schwächelt die Story allerdings manchmal. Fans des ersten Teils freuen sich über eine für heutige Verhältnisse eher ruhige Inszenierung, die sich Zeit für Kulisse und Charaktere nimmt, später Geborenen werden diese Momente eher als Längen empfinden. Die beiden Subplots verlaufen irgendwie im Sande: Vom bevorstehenden Aufstand der Replikanten hätte man gerne mehr erfahren, das messianische Gebrabbel des Fabrikanten Wallace dagegen ist für die Handlung gar nicht nötig. Und auch wenn 30 Jahre vergangen sind: Das LA von 2049 ist immer noch eine Männerwelt. Eine Handvoll neuer weiblicher Figuren darf lediglich Stichworte geben und dann sterben. (Philip Steffan) / (dwi)

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