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Blade Runner: Das Kult-Desaster

Gut gehalten

Während diese Geschichte für heutige Sehgewohnheiten vielleicht etwas zu behäbig erzählt wird, hat sich "Blade Runner" ansonsten ziemlich gut gehalten. Das liegt auch an der Tricktechnik, die mit den heute üblichen Computereffekten – abgesehen von einigen Ausnahmen – immer noch mithalten kann. Der detailversessene Scott, sein Kameramann Jordan Cronenweth sowie das große Kreativteam um Syd Mead, Richard Yuricich und Douglas Trumbull haben mit analogen Techniken wie Matte Painting und Modellbau eine visuelle Welt geschaffen, die das Genre bis heute prägt.

Die für viele Requisiten verwendete Bildröhrentechnik wirkt etwas angestaubt, auf Millennials aber vielleicht fremdartig genug für einen SF-Film. Das gilt auch für die vor 35 Jahren vertrauten Markenzeichen, die das futuristische, multikulturelle Los Angeles des Jahres 2019 (in dem es viel regnet) prägen: Pan-Am, TDK, RCA.

Visuell ist "Blade Runner" auch ein Beispiel für die Ästhetik, mit der junge britische Werbefilmer wie Scott, sein Bruder Tony, Adrian Lyne oder Alan Parker den eher steif inszenierten Hollywoodproduktionen der späten 1970er einen ganz neuen Look verpassten und die MTV-Ära maßgeblich beeinflussten. Auch die jungen Briten bedienen sich beim Film Noir: Gegenlicht, das durch Jalousien und Rauchschwaden fällt, prägt die visuelle Landschaft von Deckards Appartement und dem Tyrell-Tower ebenso wie Mickey Rourkes Wohnung in "9 1/2 Weeks".

Unterlegt sind die opulenten Bilder mit dem Synthesizer-Soundtrack von Elektro-Pionier Vangelis. Auch der wirkt 35 Jahre später noch ziemlich frisch – vielleicht liegt das auch an der Renaissance, die analoge Synthesizer in den vergangenen Jahren erlebt haben. Der "Blade Runner"-Soundtrack ist geprägt vom Yamaha CS-80, einem der ersten mehrfach polyphonen Synthesizer der 1970er.

Vangelis improvisiert auf dem Yamaha CS-80.

Mit Remakes und Reboots will Hollywood an vergangene Erfolge anknüpfen und die eigene kreative Krise übertünchen. Gerade bei Genrefilmen mit einer harten Fanbase ist das nicht ohne Risiko. Die Reaktionen auf die neue Generation "Star Wars" und "Star Trek" sind gemischt, das Remake von "Total Recall" ist durchgefallen. Bei Klassikern wie "Blade Runner" ist die Fallhöhe enorm, zumal sich das Original so gut gehalten hat und angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen in KI und Robotik so aktuell ist wie nie. Ein paar hübsche neue Effekte werden für Blade Runner deshalb nicht reichen. Bei Denis Villeneuve ist das Material zumindest in guten Händen. Bleibt die Frage, ob man Opa Deckard unbedingt sehen will.

Zur Einstimmung ist ein Videoabend mit dem Original auf jeden Fall zu empfehlen: Der alte "Blade Runner" hat kaum etwas von seiner Faszination und Relevanz verloren.

Die andere Geschichte von "Blade Runner" ist die der künstlichen Fesseln, mit denen die Rechteinhaber den Zukunftsmarkt Videostreaming noch bremsen. "Blade Runner" ist bei den Streaming-Anbietern hierzulande nur in der von Scott autorisierten "Final Cut"-Fassung (die mit dem Einhorn) erhältlich – und das auch lediglich als deutsch synchronisiertes Kaufvideo, nur bei wenigen Anbietern gibt es auch die englische Originalfassung. Andere Versionen oder gar die interessanten Extras der verschiedenen DVD/Blu-ray-Ausgaben von Blade Runner gibt es nach wie vor nur auf einer Scheibe. Zukunft geht anders.

Trailer für "Blade Runner 2049" – Quelle: Alcon Entertainment, Warner Bros., Columbia Tristar

(vbr)

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