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Blade Runner: Das Kult-Desaster

Am Donnerstag kommt mit "Blade Runner 2049" die Fortsetzung eines Science-Fiction-Klassikers ins Kino – ein guter Anlass für einen frischen Blick auf das Original.

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Blade Runner: Das Kult-Desaster

"Blade Runner" war ein Desaster. Die Zuschauer hatten ein bisschen fluffige Sci-Fi-Action erwartet – dafür stand nicht zuletzt Harrison Ford, dessen Karriere nach "Star Wars" und "Raiders of the Lost Ark" gerade richtig abhob. Was Ridley Scott ihnen bei den ersten Testvorführungen servierte, war eine sehr dunkle und elegische Reflexion über die Essenz der Menschlichkeit und die ethischen Herausforderungen des technischen Fortschritts. Die Leute waren verwirrt.

Im Studio schrillten die Alarmglocken. Rund 28 Millionen US-Dollar hatte Blade Runner gekostet, deutlich mehr als "Star Wars" oder "Raiders" – "Blade Runner" war zum Erfolg verdammt. Das Studio verpasste der von Scott abgelieferten Fassung einen erklärenden Off-Kommentar und ein weniger offenes Ende mit Luftaufnahmen, die von Dreharbeiten zu Stanley Kubricks "The Shining" übrig waren. Gerettet hat das den Film nicht, "Blade Runner" konnte die Kritiker zunächst nicht elektrisieren und blieb auch an der Kinokasse hinter den Erwartungen zurück.

Blade Runner (1982) (14 Bilder)

Das dystopische LA des 21. Jahrhunderts.
(Bild: Warner Home Entertainment)

Trotzdem ist "Blade Runner" heute Kult. Das liegt auch an der Karriere, die Scotts SF-Meisterwerk nach der enttäuschenden Kinoauswertung auf einem neuen Medium vergönnt war: Auf Video war "Blade Runner" ein echter Hit. Für Genrefreunde war die Videothek in den 1980er und 90er Jahren ein Quell ewiger Freude. Nicht nur bekamen an der Kinokasse gefloppte Filme eine zweite Chance, Video ermöglichte ganz neue Finanzierungsmodelle. Genrefilme durften dank einem zweiten Leben in der Videothek kantiger und R-rated sein, viele wurden direkt für den Videomarkt produziert.

Heute sind sich die Kritiker einig: "Blade Runner" ist einer der besten Science-Fiction-Filme, gar einer der besten Filme aller Zeiten. Aber wie das so ist: Themen und Sehgewohnheiten ändern sich. Nicht immer hält sich so ein Klassiker auch über Jahrzehnte. Manchmal ist das, was man 1982 ganz toll fand, 35 Jahre später fast ein bisschen peinlich. Am Donnerstag kommt mit "Blade Runner 2049" eine Fortsetzung ins Kino – ein guter Anlass für einen frischen Blick auf das Original.

Dabei fällt zuerst auf, wie noir Blade Runner ist: Ein desillusionierter Ex-Cop im Trenchcoat, ein korrupter Industriemagnat, eine rauchende Femme Fatale. Zieht man die Science ab, bleibt Fiction wie aus den Romanen von Dashiell Hammett oder Raymond Chandler. Insofern geht der aufgepfropfte und vielgescholtene Off-Kommentar der ersten Kinofassung fast als genretypisch durch.

"Blade Runner" greift Motive aus Philip K. Dicks Roman "Do Androids Dream of Electric Sheep?", der wie John Brunners "The Shockwave Rider" als einer der Ur-Texte des Cyberpunk gilt, einer dystopischen Variante der Science Fiction. Der Filmtitel ist einer SF-Novelle von William S. Burroughs entliehen, dem im Abspann für die Nutzung gedankt wird. Scott reduziert Dicks Roman auf die Jagd nach Androiden: Der Ex-Cop Rick Deckard (Harrison Ford) wird noch einmal aktiviert, um ein paar aus den Kolonien auf die Erde geflohene Replikanten zu jagen und "in Rente zu schicken".

Nur haben die neuen Modelle der Baureihe "Nexus 6" ein Bewusstsein entwickelt und wollen sich nicht einfach abschlachten lassen. In der Konfrontation mit dem Replikanten Roy Batty (Rutger Hauer) lernt Deckard viel über Menschlichkeit und brennt schließlich mit dem Androiden Rachael (Sean Young) durch. Über all dem schwebt die Frage, ob Deckard nicht selbst ein Replikant ist.

Der Trailer für den 2007 erschienenen "Final Cut". – Quelle: Warner Bros.
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