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"Blauer Engel" für strahlungsarme Handys

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Als "positives Signal für Wirtschaft und Verbraucher" wertet Bundesumweltminister Jürgen Trittin die heutige Entscheidung der Jury Umweltzeichen, für strahlungsarme Mobiltelefone das Umweltzeichen Blauer Engel zu vergeben. Viele Verbraucher bewege die Frage möglicher Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Handystrahlen, ohne dass sie deswegen auf den Kauf eines solchen Gerätes völlig verzichten wollen. "Der Blaue Engel als Kennzeichen für strahlungsarme Handys erleichtert Kunden die Orientierung und bietet eine Entscheidungshilfe vor dem Kauf", sagte Trittin.

Die im Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) organisierten Hersteller von Mobiltelefonen bestreiten dies vehement. Der Entwurf für die Vergabegrundlage sei vom Umweltbundesamt übereilt erarbeitet worden. "Was jetzt auf dem Tisch liegt, führt nur zur Fehlinformation und zur Verunsicherung des Nutzers", sagte Uwe Kullnick, Vorsitzender des Bitkom-Arbeitskreises "Mobilfunktechnik und Gesundheit".

Ausschlaggebend für die Verleihung des Umweltzeichens ist der sogenannte SAR-Wert. Die spezifische Absorptionsrate (SAR) gibt an, welche Strahlungsleistung, bezogen auf die Körpermasse, der Kopf beim Telefonieren durchschnittlich aufnimmt. Demnach kommt ein "Blauer Engel" nur für Handys in Frage, deren SAR-Wert bei höchstens 0,6 Watt pro Kilogramm liegt. Der gesetzliche Grenzwert für die höchstzulässige Belastung liegt demgegenüber bei 2 Watt pro Kilogramm.

Der Vorsitzende der Jury Umweltzeichen, Gerd Billen sagte: "Es gibt bereits Geräte auf dem Markt, die sich durch besonders niedrige Werte auszeichnen und schon heute den Blauen Engel tragen könnten. Unser Gütesiegel soll Anreiz für die Hersteller sein, dem Vorsorgegedanken bei der Entwicklung künftiger Handy-Generationen Rechnung zu tragen." Der Bundesumweltminister sieht sich in dieser Frage im Einklang mit den Betreibern der Mobilfunknetze. In ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung vom Dezember letzten Jahres hatten diese zugesagt, bei den Handy-Herstellern darauf zu drängen, verstärkt Geräte mit geringen Strahlungswerten auf den Markt zu bringen.

Die Hersteller hatten ein Umweltzeichen wie den Blauen Engel wiederholt als unsinnig abgelehnt. Der SAR-Grenzwert sei schon ein Vorsorgewert, begründete der Bitkom auch jetzt wieder die Ablehnung der Vergabegrundlagen. Im übrigen werde die tatsächliche Aufnahme der Strahlungsleistung im Körper im Wesentlichen durch Faktoren wie die Empfangssituation, Wahl des Netzes, Handhaltung oder Verwendung von Headsets bestimmt und könne bis um den Faktor 1000 unter dem unter ungünstigsten Bedingungen gemessenen maximalen SAR-Wert liegen.

Trittins Appell an die Handyhersteller, das Umweltzeichen für Handys jetzt auch zu verwenden, verhallt möglicherweise ungehört. "Es wurde aus politischen Gründen ein irreführendes Umweltsiegel durchgedrückt, ohne die objektive Information der Nutzer zum Ziel zu haben und die sachlichen Einwände der Industrie zu berücksichtigen", kommentiert Uwe Kullnick. "Würden wir dieses Label verwenden, machten wir uns der Fehlinformation schuldig. Da wurde mal wieder ein Umweltsiegel für die Schublade produziert."

Das Bundesamt für Strahlenschutz will auf seiner Website in Kürze eine Übersicht von SAR-Werten der aktuell auf dem Markt angebotenen Mobiltelefone anbieten. Die Vergabegrundlagen für das Umweltzeichen für Mobiltelefone können demnächst im Internet abgerufen werden. (anm)

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