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Blick in die Glaskugel: Der Smartphone-Markt kühlt ab

Die Marktforscher sind sich weitgehend einig: Die Zeit des zweistelligen Wachstums auf dem Smartphone-Markt ist vorbei. Doch langweilig wird es deshalb noch lange nicht.

Android

(Bild: dpa, Britta Pedersen)

Der weltweite Smartphone-Markt kühlt merklich ab. Marktforscher gehen davon aus, dass der Absatz von Smartphones ab 2016 nur noch einstellig wächst. Während die Branche ihren Absatz im vergangenen Jahr um über 10 Prozent gesteigert hat, erwarten die Marktforscher von IDC im laufenden Jahr nur noch ein Wachstum von 5,7 Prozent auf gut 1,5 Milliarden Smartphones. In den nächsten fünf Jahren werde die jährliche Wachstumsrate etwa bei 6 Prozent liegen.

Auch die Marktbeobachter von Kantar gehen davon aus, dass die Zeit der zweistelligen Wachstumsraten zu Ende ist. Die großen Märkte, die den weltweiten Absatz treiben, seien weitgehend gesättigt, heißt es in einem neuen Bericht der Marktforscher. Künftiges Wachstum hänge nun vor allem davon ab, die Besitzer eines Einfachhandys zum Upgrade auf ein Smartphone zu motivieren, sowie Smartphone-Besitzern das jeweils neueste Gerät schmackhaft zu machen.

Und das wird nicht so einfach. “Viele Handybesitzer wollen einfach kein Smartphone”, sagt Kantar-Expertin Carolina Milanesi. Für diese Kunden spiele vor allem der Preis eine Rolle, weshalb es schwierig werde, sie von einem Smartphone zu überzeugen. Während der deutsche Smartphone-Besitzer im Schnitt 276 Euro für ein Gerät ausgibt, sind es für Einfachhandys nur 57 Euro. Es sei nicht leicht, in dieser Preisklasse ein Smartphone zu finden, das den Ansprüchen des Kunden genüge.

Während der IT-Spitzenverband Bitkom hofft, dass der Smartphone-Boom hierzulande im laufenden Jahr anhält, rechnet der Verband der Unterhaltungselektronikhersteller GFU mit Stagnation. In Deutschland haben rund 51 Millionen Menschen ein Smartphone. Bei ihnen wird es darum gehen, sie von einem Neugerät zu überzeugen. Dagegen wirkt ein Trend, den Kantar ausgemacht hat: Die durchschnittliche Lebenszeit eines Smartphones in Deutschland wird jedes Jahr ein bisschen länger. 2015 haben die Deutschen ihr Smartphone im Schnitt nach eineinhalb Jahren erneuert.

IDC-Prognose Smartphone-Markt nach Betriebssystem
System 2015 Prognose 2016 Prognose 2020 Ø / Jahr
Absatz Marktanteil Absatz +/- MA Absatz +/- MA
Android 1.170,0 Mio. 81,3 % 1.254,6 Mio. +7,6 % 82,6 % 1.624,4 Mio. +4,6 % 84,6 % +6,9 %
iOS 231,5 Mio. 16,1 % 231,2 Mio. -0,1 % 15,2 % 269,0 Mio. +3,2 % 14,0 % +3,0 %
Windows Phone 29,2 Mio. 2,0 % 23,8 Mio. -18,5 % 1,6 % 17,8 Mio. -5,7 % 0,9 % -9,4 %
Andere 9,3 Mio. 0,6 % 9,5 Mio. -15,1 % 0,6 % 9,2 Mio. +4,8 % 0,5 % -3,9 %
Gesamt 1.440,0 Mio. 1.519,1 Mio. +5,7 % 1.920,4 Mio. +4,3 % +6,0 %
Quelle: IDC Worldwide Quarterly Mobile Phone Tracker, März 2016

Weil die westlichen Märkte, auf denen die Hersteller ihre Hochpreisgeräte verkaufen können, zunehmend gesättigt sind, spielt die Musik in Zukunft in der Mittel- und Einsteigerklasse. “Das hat schwerwiegende Konsequenzen für Apple und die High-End-Android-Liga”, meint IDC-Analyst Ryan Reith. Apple kann Kunden mit Upgrade-Programmen halten und damit seinen Durchschnittspreis stabilisieren, wird laut der IDC-Prognose bis 2020 aber ein paar Prozentpunkte Marktanteil abgeben.

Android kann von dem breiten Angebot in den unteren Ligen profitieren und seine Marktdominanz weiter ausbauen – für 2020 prognostiziert IDC einen Marktanteil von fast 85 Prozent. Dabei wächst der Wettbewerb in der mittleren Preisklasse, in die chinesische Hersteller mit neuen High-End-Geräten vorstoßen. Das drückt die Durchschnittspreise und auf die Margen – das könnte zu einem Problem für Hersteller werden, die nicht die nötigen Stückzahlen verkaufen können.

Weniger rosig sehen die Analysten die Zukunft von Windows Phone. Im laufenden Jahr soll die Microsoft-Plattform noch einmal 18 Prozent Absatz einbüßen und beim Marktanteil weiter zurückfallen, erwartet IDC. Fast alle bisher verkauften Windows Phones sind von Nokia/Microsoft. Auf dem Mobile World Congress haben zwar einige andere Hersteller neue Windows Phones gezeigt, doch nicht nur IDC fragt sich, wie lange die noch an der Plattform festhalten. Bis 2020 soll der Absatz weiter bis auf einen Marktanteil von unter 1 Prozent schrumpfen. (vbr)

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